Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden, ja. Ich bin dankbar für das System, dass jeder Zugang dazu hat, unabhängig vom sozialen Status. Anders als in den USA zum Beispiel.
Im Oktober musste ich eine Woche akut ins KH, ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt. Ich arbeite selber im Gesundheitswesen und versuche immer, alles erstmal selber zu regeln. Also generell gehe ich eigentlich erst zum Arzt, wenn ich den Kopf unterm Arm trage. Darum hab ich mich zuerst geweigert.
Im Nachhinein war es mein größtes Glück, dass die Vertetungsärztin genau hingesehen hat und mich fast schon gedrängt hat, in die Klinik zu gehen. Seitdem geht es mir so viel besser. Auch wenn ich zu vielen Ärzten wenig bis kein Vertrauen habe/hatte, auf Grund einiger persönlicher Erfahrungen.
Seitdem bekomme ich ohne großes Murren meine notwendigen Medis verschrieben, nehme die Vorsorgen wahr und fühle mich ganz grundsätzlich erstmal gut aufgehoben.
Ich finde die Warterei auf Facharzttermine allerdings heftig. Im November wollte ich einen dringenden Termin beim Orthopäden vereinbaren. Für Mai hätte ich einen bekommen. Wenn ich privat versichert gewesen wäre, hätte ich keine 2 Wochen gewartet. Das ist einfach bitter.
Ich bin freiberuflich tätig und darf meine erbrachten Leistungen selber mit den Krankenkassen der Frauen abrechnen. Also was ich da teilweise schon für Kürzungen von den Abrechnungszentren zurück bekommen habe, vermiest mir meine Arbeit doch oft sehr!
Zunächst vorne weg, ich betrachte die Daumen runter bei persönlichen Berichten von mir, wie dem 17,50 Arzt oder den Brüchen meines Vaters oder dem, was ich im folgenden schreibe als Ausdruck darüber, dass es doof ist, was man so alles erleben muss. 🙂
Wer es anders meint, muss es formulieren. 🙂
Nun zu meiner Frage:
"Wie ist das bei euch persönlich? Seid ihr zufrieden oder unzufrieden? Was zwiebelt euch, was liegt euch im Magen?"
Ich bin in weiten Teilen unzufrieden.* Grundsätzlich dachte ich (früher), dass ich damit tendenziell eher alleine bin, weil das in meinem Umfeld so auch mitgeteilt wurde, aber in den letzten Jahren hört man doch viel gegenteiliges. Überraschend ist eben das Verhältnis zu den hohen Kosten und der offenbar entstehenden Unzufriedenheit. Was mich bei der Befragung dazu noch interessieren würde, hatte ich schon formuliert.
*zufrieden bin ich z.B. mit meiner Augenärztin. Es ist nicht so als ob es nicht auch das eine oder andere positive geben würde.
Die Dauer der Terminvergabe bei Fachärzten finde ich übrigens nur noch ein Teilproblem, das größere Problem ist ja eigentlich noch, dass man oftmals gar nicht mehr aufgenommen wird.
Wenn ich jetzt denke an mein letztes Erlebnis, den 17,50 Arzt, dann ist es ja so, dass ich mit dem Problem inzwischen schon viele Kosten verursacht habe und Ärzte auch daran verdient haben, nur eine Lösung habe ich immer noch nicht. Das muss anders lösbar sein.
Was mir bei Ärzten übrigens immer wieder auffällt (geht das anderen auch so?), dass schon die Anamnese falsch ist. Also das, was ich erzähle. Da wird einfach nicht zugehört. Kommt man von anderen Ärzten wird einfach abgeschrieben. Zu einem Neurologen sagte ich gleich zu Beginn des Gespräches: BITTE! schreiben nicht auch Sie wieder die falsche Anamnese der anderen Ärzte ab. Tatsächlich ist es SO und SO. Allen Ernstes stand im Bericht in der Anamnese wieder einfach die falsche Anamnese des allerersten Arztes. Das zog sich so immer weiter durch. Wie könnte die Lösung richtig sein, wenn schon das Problem nicht richtig erkannt wird?
Ein weiteres aktuelleres Beispiel von mir: vor fast einem Jahr bekam ich ein Problem an einem Eckzahn, der mir daraufhin über Monate starke Probleme bereitete. Starke Schmerzen sowieso, die komplette Kieferseite war stark geschwollen und entzündet, ich habe mir wortwörtlich täglich den Eiter aus dem Zahnfleisch ausgedrückt, über Monate. Und meine Zahnärztin, wenn ich dann mal endlich einen Termin bekam, hat nichts anderes gemacht als es sich angesehen und gesagt, ich soll auf der anderen Seite kauen.
So ähnlich sind viele Erfahrungen bei mir, ich werde im Regen stehen gelassen, im besten Falle irgendwo hin überwiesen, usw.
Das Fass, das wir übrigens hier noch gar nicht aufgemacht haben, das ist die Schublade mit der psychischen Gesundheit. Da fällt mein Urteil leider mindestens so schlecht aus.
Übrigens bin ich sehr froh, dass da endlich auch ein Tabu gefallen ist. Mittlerweile gibt es so langsam Studien darüber, dass Psychotherapie auch schaden kann. Früher hieß es "eine Therapie kann nie ein Fehler sein" und wenn eine Therapie nicht erfolgreich war oder der Patient hinterher noch desolater da stand, dann hatte der Patient eben nicht richtig mitgewirkt.