Eine Einladung zum Abendessen

in „Smalltalk“

Zu diesem Thema gibt es 68 Antworten

"Michael Ende"

Der wird auch noch von mir eingeladen. Ich bin praktisch groß geworden mit ihm. Je älter ich wurde, für desto ältere Menschen schrieb er Bücher.
Atrejú werde ich ihm allerdings bis an mein Lebensende nicht verzeihen.

"wie die Aussage, dass Napoleon so besonders klein war"

Je nach Quelle war er sogar überdurchschnittlich groß. Aber Goldfische haben auch kein Sehrkurzgedächtnis und Lemminge sind nicht suizidgefährdet. Die Vorinternetfakenews.

"Windläufer
Heute, 10:04

Oh, magst Du schreiben, was das ist mit Atrejú und Dir? :) Dann habt Ihr ja schon ein Thema für´s Essen."

Fehler von mir: Artax, nicht Atrejú.
Sümpfe der Traurigkeit > Pferd > tot > kommt nicht wieder.

Da gibt es keine Entschuldigung dafür!
😤

Ja, tatsächlich. Nicht für Dich, natürlich nicht, da sprichst nur Du für und ob es wirklich positiv ist, sei dahingestellt, ich schreibe mal: mehrdimensional.

Es ist eine Erzählung von Verlust, von Schmerz, von Vermissen. Ende macht hier wenig anders, als andere Märchen (Stiefmama kommt ja erst, wenn Mama tot ist) oder Disney-Filmen. Hier bedient Ende auch ein wenig die Joseph-Campbell-Doktrine vom Tod des weisen Mentors, der am Anfang der Queste stehen muss (geht nicht 100% auf, weil eher Freundschaft als Mentorenverhältnis, aber ich sehe da schon eine Verwandtschaft).

Aber ich sehe hier auch zwei negativ(ere) Aspekte, die aber erst im Laufe meines Lebens dazu gekommen sind.

Vielleicht vorher die Frage: Wenn Du an Artax denkst, denkst Du daran, wie Du es gelesen hast, oder wie Du es im Film gesehen hast? Ich habe zuerst den Film gesehen und kann mich daran erinnern, dass mich die Szene auch furchtbar mitgenommen hat, eben weil sie schon filmisch ziemlich gut umgesetzt ist (fast pervers gut) und sich das sehr ins Gedächtnis einbrennt (die Nahaufnahmen...puh).

Was ich aber schwierig finde ist der "Sumpf der Traurigkeit". Heute kann ich das nicht sehen, ohne an Depression und alles was damit zu tun hat zu denken - und am Ende (bei Ende ;)) begeht Artax ja auch Selbstmord, weil er den Willen zu leben verloren hat. In einer Fantasie-Welt okay und natürlich wird Ende sich genau sowas dabei gedacht haben. Das ist nun auch keine Rede dafür, da einen Disclaimer vorzusetzen, rein persönlich... vielleicht muss ich da auch noch einmal drüber nachdenken.

"Es ist eine Erzählung von Verlust, von Schmerz, von Vermissen. Ende macht hier wenig anders, als andere Märchen (Stiefmama kommt ja erst, wenn Mama tot ist) oder Disney-Filmen. Hier bedient Ende auch ein wenig die Joseph-Campbell-Doktrine vom Tod des weisen Mentors, der am Anfang der Queste stehen muss (geht nicht 100% auf, weil eher Freundschaft als Mentorenverhältnis, aber ich sehe da schon eine Verwandtschaft). "


Ich kann dir nicht folgen.



"Vielleicht vorher die Frage: Wenn Du an Artax denkst, denkst Du daran, wie Du es gelesen hast, oder wie Du es im Film gesehen hast?"

Ich habe zunächst das Buch gelesen und denke auch daran, vom Film war ich eher enttäuscht, auch wenn die Szene mit Artax sicherlich auch im Film mitreißend war.

Michael Ende hat generell den Tod von Tieren schlimm beschrieben.
Auch der Tod vom Werwolf Gmork hat mich irgendwie schwer mitgenommen, obwohl es ein böses und gefährliches Wesen ist und es ja letztlich gar nicht anders ging.
Artax natürlich sowieso.

Ja, auch an Gmork denke ich schon die ganze Zeit. Auch weil er ja vor dem Tod eine gewisse Verbundenheit mit Atrejú schafft und weil natürlich trotz allem es sehr grausam war wie Gmork starb.
Das hätte übrigens an Grausamkeit auch gereicht. Auch ohne Artax.

Ach herrje, jetzt haben wir/ich das Thema so gekapert, da es ja ums Abendessen ging.

Michael Ende fand den Film übrigens auch mistig, hat ja auch seinen Namen entfernen lassen und sich mit Bernd Eichinger (dem Produzenten) verkracht; was aber auch daran liegen kann, dass er bei einem Besuch bei den Endes selbigen in den Garten gepinkelt hat, kam nicht so gut an.

Um das, wo Du nicht folgen kannst, darzulegen, wäre Tapete nötig und es soll ja ums Abendessen gehen.

"Um das, wo Du nicht folgen kannst, darzulegen, wäre Tapete nötig und es soll ja ums Abendessen gehen."

Ach, es schreibt ja eh keiner mehr. Können wir auch einen Michael Ende Abend draus machen.


"mit Bernd Eichinger (dem Produzenten) verkracht; was aber auch daran liegen kann, dass er bei einem Besuch bei den Endes selbigen in den Garten gepinkelt hat, kam nicht so gut an."

Ne, ich glaub, da ging es schon um den Film. Der ist einfach auch fachlich schlecht, das muss man einfach sagen. Und wäre alles bis dahin soweit noch ok gewesen, dann ist das Ende eine Katastrophe. Eine Totalkatastrophe. Es hat absolut überhaupt gar nichts mit dem Buch zu tun. Jetzt könnte man sagen, dass es ja Fortsetzungen gab, aber abgesehen davon, dass die noch sehr viel grottiger waren, gab es ja "dazwischen" doch dieses vollkommen frei erfundene Ende, das einfach auch inhaltlich verfälscht. Ich hätte Eichinger ins Schlafzimmer gepisst an Endes Stelle.


Übrigens es gibt auch einen Zusammenhang mit Rubensfan. Im Buch ist Bastian nämlich dick, im Film natürlich nicht.

Ja absolut, wollte auch hier keine Tapete schreiben. Ende hat das Ende gehasst.

Hier bringt er es gut auf den Punkt, dass sich mit dem Film die ganze Poetik der Geschichte ändert.



Der Zusammenhang ist aber noch ein anderer. Ende der 1970er-Jahre beginnt ja das, was man gemeinhin Fantasyfilm nennt. Der Opener war "Star Wars" (ja Fantasy, keine Science Fiction). Das waren alles super erfolgreiche Filme ("Dark Crystal", "The Last Unicorn", "Labyrinth", "Conan - The Barbarian") und Eichinger hat immer nach Hollywood geguckt. Vorher gab es sowas wie einen bundesdeutschen Blockbuster ja nicht (höchstens den sog. Straßenfeger, was gleich klingt, historisch aber was anderes meint). Dh. er wollte nun einen deutschen Fantasyfilm haben und hatte dann diesen "verkopften" (teile ich nicht) Ende mit seiner Theosophie und seiner Romantik. Dass Eichinger so dann, wie Ende sagte, ein "gigantisches Melodram aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik" draus gemacht hat, musste Ende in jeder Form anekeln, in der Logik des Filmgenres und der Kinolandschaft zur damaligen Zeit war das aber super logisch - zumal es fantastische Stoffe in Deutschland immer schwer hatten (noch längere Geschichte). Und der Film war ein großer Erfolg, nicht nur wegen des Liedes von Limahl. ;) Hat es immerhin bis in eine berühmte Szene bei "Stranger Things" geschafft.



Was ich mit dem anderen Punkt meine war, dass Ende hier schon der Märchenerzähler war (auch wenn er die Zuschreibung Kinderbuchautor hasste) und im Märchen kommt es eben (so grausam die ja in ihren Originalen meist sind) zu den Begegnungen mit dem Tod (wie eben im Märchen oder bei Disney - wobei ich letztlich doch noch einmal erstaunt war zu sehen, dass das bei "Bambi" ja nahezu völlig im Off passiert - im Film), dem hat Ende Tribut gezollt damit (ob es so grausam sein musste, bei Artax oder dem Gmork sei dahingestellt).

Das andere ist Joseph Campbell. Das war eigentlich ein Mythenforscher, der die These hat, es gibt universale Mythen, die überalle auf der Welt, über alle Zeit hinweg gleich erzählt werden, die quasi in unserer DNA drin sind. Er hat dann Berühmtheit erlangt, weil immer wieder behauptet wurde, dass George Lucas Campbells Theorie in "Star Wars" verfilmt hätte (dabei kannte Lucas das da mWn noch nicht). Der Vorwurf war dann, dass jeder Fantasyfilm sich nur noch an den universellen Mythenplan von Campbell halten würde - und sogar darüber hinaus, waberte das auch in andere Filme - Drehbücher, die nur noch nach Campbell geschrieben wurden. Eine der Punkte in der mythischen Reise des Jünglings auf seiner Queste ist der Tod des Mentors, der ihn mit seinen Ableben frei lässt, um selbst zu wachsen und ggf. seinen Platz einzunehmen (bestes Beispiel der Tod Obi Wan Kenobis in "Star Wars") - und das meinte ich mit dem Tod Artax, dass es eine ähnliche Funktion haben könnte.

Ich habe Euch gewarnt. ;)

Also die 45 min habe ich mir nicht angesehen. 😲 Aber ich weiß ja auch so, dass es kacke war. Im Grunde hört der Film ja auf, wenn es eigentlich erst so richtig los geht.


"ist der Tod des Mentors, der ihn mit seinen Ableben frei lässt, um selbst zu wachsen und ggf. seinen Platz einzunehmen (bestes Beispiel der Tod Obi Wan Kenobis in "Star Wars") - und das meinte ich mit dem Tod Artax, dass es eine ähnliche Funktion haben könnte."

Hm, ich glaube nicht. Dann habe ich dich nämlich gleich richtig verstanden, aber hielt es eben für abwegig und dachte ich verstehe dich nicht. Artax ist ja kein Mentor. Treuer Gefährte. Letztlich auch schlicht Fortbewegungsmittel. Aber Mentor? Nein, das glaube ich nicht. Also, es wäre trotzdem auch dann nicht in Ordnung, aber ich glaube es auch nicht.
Zumal Atreju einen entscheidenden Verlust hatte, er ist nämlich Vollwaise und er hat auch eine Art Mentor, der Zentaur Caíron, der ihn in seine Aufgabe einweist und dann von ihm überzeugt ist.

Ich habe das auch so nicht geschrieben, sondern geschrieben, dass es eine ähnliche Funktion erfüllt (und dabei bezog ich mich nur auf den Film, weil Caíron im Film ja so nicht vorkommt). Beim Buch hast Du absolut Recht, beim Film wollte man das noch mehr in das Formular pressen.

Die 45 Minuten sind schon lustig, was aber auch am Weißwein liegen kann, der im Laufe des Gesprächs getrunken wird (Fuchsberger merkt man es an).

"Es ist eine Erzählung von Verlust, von Schmerz, von Vermissen. Ende macht hier wenig anders, als andere Märchen (Stiefmama kommt ja erst, wenn Mama tot ist) oder Disney-Filmen. Hier bedient Ende auch ein wenig die Joseph-Campbell-Doktrine vom Tod des weisen Mentors, der am Anfang der Queste stehen muss (geht nicht 100% auf, weil eher Freundschaft als Mentorenverhältnis, aber ich sehe da schon eine Verwandtschaft)."


Nja, du hattest es eben ursprünglich so vermischt, dass es irgendwie auf Ende hinauslaufen könnte, nicht auf den Film und das kann man so eben nicht sagen.

Übrigens es gibt auch einen Zusammenhang mit Rubensfan. Im Buch ist Bastian nämlich dick, im Film natürlich nicht.

Das fand ich richtig schlimm damals. Eigentlich war im Film auch gar nicht mehr klar, warum Bastian so unbeliebt ist und gemobbt wird.
Auch dass sie Atrejús Hautfarbe (olivgrün) einfach geändert haben. Und Atrejú und die kindliche Kaiserin so normschön für das Bravostarschnittposter hin gecastet.
Solche Sünden gibt es bei heutigen Verfilmungen zum Glück kaum mehr. Ich glaube diese Verfilmung hat keinen kleinen Anteil daran, dass es bei Lotr und Harry Potter dann anders lief.