Wieso sind Diskussionen so schwierig?

in „Smalltalk“

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@ YNL
Und genau das mache ich nicht. Denn ich lese einfach das was da steht. Und im Sinne der Diskussion wäre allen geholfen wenn das jeder tun würde. Dann gäbe es auch deutlich weniger Missverständnisse, wenn sich jeder klar ausdrückt und wenn er etwas nicht versteht nachfragt. Wie einfach die Welt doch wäre oder?
Aber lass dir von der bedrückenden Erkenntnis nicht den Schlaf trüben.

Vorweg:
Es gibt nicht umsonst den Ausdruck "die Stammtischparole" ... will sagen, der Stammtisch als Bild ist schon sehr unglücklich gewählt.

Was eine Stammtischparole ist, kann Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer erklären, der schon mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat:

Hinter Stammtischparolen stehen rigide, vorurteilsbeladene, feindselige Denkmuster, die sich dann in entsprechenden aggressiven, selbstgerechten und kategorischen Sprüchen entladen.

Die Stammtischparolen sind per se nicht unbedingt rechtsextrem, aber es gibt fließende Übergänge vom allgemeinen Verdruss, zur Verachtung von Demokratie, zum Populismus, von dort zum Rechtspopulismus und dann in der Tat zum Rechtsextremismus.


Sie (die Stammtischparolen) bieten einfach erscheinende Lösungen bei schwierigen Themen an. Man wird überrumpelt und gerät in die Defensive, müsste weit ausholen, um plausible Gegenargumente zu bringen. Und so schnell findet man sie in dieser Situation nicht. Die Ebenen sind gegensätzlich: Emotionalität versus Rationalität, Affekte versus Argumente, Pauschalierung versus Differenzierung, Schubladendenken versus Nachdenken.

Da haben die den wesentlich schwierigeren Part, die dagegenhalten.


Quelle: https://www.fes.de/akademie-management-und-politik/veroeffentlichungen/mup-interviews/argumentation-gegen-stammtischparolen

Hinzu kommt, beim Stammtisch kennt man sich, oft schon das halbe Leben... und natürlich werden da Leute entweder erst gar nicht eingeladen oder ausgeschlossen.
Ein Stammtisch ist eine geschlossene Runde ( das sagt der Name schon aus) der besteht nicht aus durchreisenden Touristen, die sich möglicherweise nie wiedersehen (dann wäre das Verhalten dort vielleicht auch anders)

Hier treffen Fremde aufeinander. Das ist keine Stammtischsituation.

Wenn Leute auf Menschen ausserhalb ihrer Bubble treffen, muss eine Kommunikation ja auch erstmal in Gang kommen. Vielfach kommt man da nicht über Smalltalk hinaus. Wer Angst haben muss, dass ihm demnächst wegen Schulden Gas und Wasser abgestellt wird, dürfte wohl kaum sonderlich daran interessiert sein Gespräche über rauschende Pool-Partys zu führen. Da muss die persönliche Sympathie schon sehr groß sein oder einer der Beteiligten ein guter Socializer sein um so eine Kluft zu überwinden.

@Alea.iacta.est - auch in einem Forum sind nicht erstmal "alle". Hier bei rubensfan wirst du eher weniger einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung finden - bei den Menschen, die sich hier an Forendiskussionen beteiligen ist es noch mehr eine Auswahl - beinahe alle sind ü40 und haben vermutlich keinen Migrationshintergrund. Trotzdem ist es hier natürlich sehr viel weniger homogen und auch egalitärer als auf einem typischen Stammtisch von früher.

Mit der Ausgrenzung hast du natürlich volkommen recht. Sepp und Franz spielten dann halt zusammen Karten und tranken ihr Bier. Ali oder Chantal saßen bestimmt nicht mit am Tisch. Der homosexuelle Klaus, hätte sich nie getraut sich zu outen, sondern die Sprüche über Schwule einfach geschluckt. Und Rollstuhl-Dietmar konnte nicht dabei sein, weil die Location nicht barrierefrei war.

Nächster Punkt:

(YNL zu Kurvenfan):

Was bist du glaubst du ich fürchte mich vor dir weil du einen Kopf größer bist?

Sowas ist eben auch Quatsch. Wir sitzen uns nicht gegenüber. Körperliche Unterschiede haben keine Bedeutung und Präsenz dadurch, dass man besonders groß, besonders durchtrainiert, besonders kurvig, was auch immer... spielt eine unbedeutende Rolle.

Das bedeutet nicht dass Klischees keine Rolle spielen
Würde ich hier unter männlichem Namen schreiben und Kurvenfan unter weiblichem wären die Worte dieselben, aber gelesen würde es wahrscheinlich anders und vermutlich auch anders reagiert.
Beim Stammtisch sitzt man als ganze Person und auch das beeinflusst die Diskussion.
Menschen die im Offline Leben körperlich anderen überlegen sind z.b durch einen durchtrainierten Körper sind es oft nicht gewöhnt im Alltag häufig widersprochen zu werden, weil anderen es im Zweifel es nicht wert ist eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Hitzkopf zu haben und sich halt Antworten verkneifen.
Und im Netz spielt diese Art sich 'Respekt' zu holen keine Rolle mehr und sie sind überrascht, dass doch so viele Leute gar nicht ihre Ansicht teilen. Weil sie das weniger gewohnt sind ist ihre Frustrationstoleranz geringer.

Zudem besteht im Internet generell die Tendenz sich per zweitem oder dritten Account ein paar Stimmen dazuzuschreiben, die einem dann (inzwischen sogar bequem mit von KI generierten Texten) kurzfristig zur vermeintlichen Meinungsmehrheit verhelfen.
Auch bei einem realen Stammtisch unmöglich.
Das als Ergänzung dazu, wie sich ein Stammtisch von Foren unterscheidet.
Ob der Punkt hier eine Rolle spielt entzieht sich meiner Kenntnis, möglich ist er generell im Internet aber schon.

Oder willst du mir erklären du seist neutral?

Übrigens ist keiner (weder beim Stammtisch noch in Foren) neutral.
Jeder ist durch Erlebnisse, Umfeld, Erziehung etc. beeinflusst - ob er oder sie das will oder nicht. Die Forderung neutral zu sein ist unsinning. Und fehlende Neutralität bei sich selbst zu erkennen ist die grosse Kunst.

@Carla-1 - körperliche Unterschiede spielen bei Interaktionen im Internet sehr wohl eine Rolle. Bei vielen Themen wie Gesundheit, Fitness, Partnersuche hat es zumindest eine gewisse Relevanz. Wer hier berichtet, dass er gerade einen Marathon gelaufen ist oder 0 Probleme mit dem heißen Wetter momentan hat - die Fremdwahrnehmung ist vermutlich unterschiedlich, ob man nun ein Gewicht von 75 oder 150 kg im Profil stehen hat. Bei Social Media ist die Verpackung oft sogar wichtiger als der Inhalt - selbst banale Tätigkeiten von weiblichen Accounts wie einen Smoothie zubreiten oder Bad putzen können riesige Reichweiten haben.

Ja, natürlich. Es spielt aber bei der Entscheidung, ob und was ich antworte keine so grosse Rolle.
Wenn mir Nachts ein muskelbepackter Neonazi mit Knüppel in der Hand sturzbetrunken in einer Seitengasse entgegenkommt und volksverhetzende Parolen brüllt, dann gehe ich weiter, um mich nicht unmittelbar in Gefahr zu bringen. Weil er mir körperlich überlegen ist und dies doch vermutlich gegen mich einsetzen wird. Das Gegenüber denkt dann vielleicht, ich stimme zu weil ich nicht sofort widerspreche.
Hinterher kann ich zur Polizei, ob ich es beweisen kann und ihn wiederfinde, ist dann die Frage.

Begegne ich ihm nachts in einen Forum benenne ich natürlich das was er macht und widerspreche ihm, melde den Beitrag, der schwarz auf weiß beweist, was geschehen ist. Der Beitrag wird dann vermutlich gelöscht und andere stimmen mir zu. Mit Screenshot kann ich ihn wegen Volksverhetzung anzeigen.
Solche Konsequenzen ist derjenige vielleicht wegen seines Auftretens im RL nicht gewohnt, obwohl ich unter anderen körperlichen Voraussetzungen oder wäre ich nicht allein gewesen natürlich auch in der nächtlichen Seitengasse widersprochen hätte und nicht seine Ansicht teilte. Deshalb glaubt er vielleicht, dass früher™ alles besser und lockerer war und man alles sagen 'durfte', dabei fanden es andere früher genauso zum Kotzen mussten aber ihre körperliche Unversehrtheit vor ihre Meinungsäußerung stellen. Und auch Volksverhetzung, Beleidigung und Diskriminierung waren früher natürlich genauso wenig erlaubt. Nur bekamen Täter das eben oft weniger zu spüren.

Es ist in der Hinsicht anders, warum glaubst du denn dass viele marginalisierte Gruppen mehr gehört werden?
Weil sie im Netz nicht unmittelbar um Leib und Leben fürchten müssen, wenn sie sich äußern.

Ein extremes Beispiel - gewählt um es klarer zu verdeutlichen.

Und man wird online auch schneller mal persönlich. Ich bezweifle, dass die Protagonist:innen hier den Mut hätten einer Transperson auf der Straße oder am Stammtisch abwertende und diskriminierende Beschimpfungen ins Gesicht zu brüllen und weniger Drogen zu empfehlen oder über die Größe des eigenen Glieds zu sprechen.
Weil, etwas was sich hier in Diskussionen versendet, am Stammtisch eben als genau so asozial und kaltschnäutzig rüberkommt wie es ist.

Ich lese ja immer wieder mal mit, finde ich sehr interessant wie ihr auf den ynl einsteigt, Mädels.

Den letzten der sich in real so aufgeführt hat (25, kam gerade aus dem Fitnessstudio, meinte, eine Gruppe junger Frauen angehen zu müssen) hab ich nach 2 Sekunden am Boden arretiert gehabt bis die Polizei kam und ihn mitgenommen hat.
Während der Wartezeit hat er dann lauthals erklärt dass er Deutscher und AfD-Wähler ist und das darf.

In real gehen solche immer nur auf kleinere.... okay, kleinere sind eigentlich bei solchen selten, aber der Minderwertigkeitskomplex ist bei dem ja offensichtlich, wenn man mit Body (auch hier sind Form und Inhalt meist nicht gleichwertig) und Schwanzgröße angibt 😁

Uh, da hab ich offensichtlich einen Volltreffer gelandet 😄😄😄😄

Komischerweise musste ich Bedrängte immer nur vor Typen wie dir schützen, die dann, wenn ich klarmachte, dass es mit mir ernst wird, sofort ihren angeblichen Riesenschwanz eingezogen haben und ganz schnell verschwunden sind.

Aber passt schon, bist schon ein ganz toller, großer... 😋

Corny da hast du aber eine Lawine losgetreten. Ich bin im realen Leben unterwegs

Der größte Teil der 'Lawine' sind beleidigende und drohende Beiträge von dir, die du morgens um zwei völlig enthemmt in den Thread gerotzt hast, falls dir das schon wieder entfallen wäre.