Eine Beobachtung, die mir seit längerer Zeit etwas aufstößt:
Wieso wird mittlerweile für jede vermeintlich rückständige Meinung, die jemand nicht mag, einfach irgendein Vorname aus der "Boomer-Generation" ausgepackt?
"Ja, ist klar, Dieter."
"Okay, Susanne."
Oder irgendein anderer Name, der in den 60ern oder 70ern halt oft vergeben wurde.
Irgendwie ist das doch auch nur Schubladendenken. Da wird ständig über Vorurteile und Pauschalisierungen geschimpft – und im nächsten Moment reicht schon ein Vorname, um jemanden lächerlich zu machen.
Ich finde das einfach ein bisschen billig. Es wirkt auf mich so, als würde einem nichts Besseres einfallen, als "Haha, typischer Dieter."
Ich weiß nicht ... irgendwie tun mir die ganzen Dieters, Susannes, Monikas und Peters da schon fast leid. Die können ja auch nix für ihren Namen - und im Gegenzug finde ich es schon recht albern, bei Pauschalisierungen auf die typisch deutschen, weißen, gutbürgerlichen Namen zurückzugreifen.
Wie seht ihr das? Findet ihr solche Sprüche witzig?
@ Corny
Wo soll das denn bitte passieren? Also ich beobachte das nicht.
Sehr oft bei Facebook; auch in vielen Kommentaren/Beiträgen von Tagesszeitungen und Zeitschriften lese ich diese Verallgemeinerungen immer häufiger. Hier im Forum bin ich auch schon ein paar Mal drübergestoplert.
So ist "Diesel-Dieter" beispielsweise ja auch eine "beliebte" Beschreibung für jemanden, der sich kritisch gegenüber der e-Mobilität äußert.
@ Corny
Hast du mal ein Beispiel? Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass das allgemein gegen die Namen der 60er und 70er gemünzt sein soll.
Es gibt natürlich Namen, die durch Prominente positiv wie negativ geprägt worden sind. Das hat dann aber eher etwas mit einem allgemein gesellschaftlichem Narrativ zu tun.
Beispiele - ja, eben der "Diesel-Dieter" ;) Auch ganz oft bei Beiträgen zu lesen, in denen sich "moderne" Frauen/Männer/Diverse gegen "altmodische" Meinungen wehren - "Meinem Sohn wurde heute gesagt, dass nur Mädchen sich die Nägel lackieren, ja, ist klar, Monika." "Beim der Planung des Kindergartenfests wurde mein Vorschlag belächelt, nur Veganes anzubieten, nein, du stirbst nicht von einem Quinoabratling, Heinz-Harald."
Ist dir das echt noch nie untergekommen?
Ich bin da scheinbar echt schon empfindlich geworden, weil es mich eben wirklich aufregt. Den letzten Post mit solch einer Aussage hier im Forum habe ich leider nicht parat (ich bin niemand, der sich alle Aussagen mit Ersteller und Datum merken kann, wie auch schon von dir angemerkt :o) ); vielleicht läuft er mir ja noch einmal über den Weg, dann reiche ich ihn nach.
Gab es das nicht im anglo-amerikanischen Bereich mit "Karen"?
Genau, Tbs., "Karen" auf deutsch.
Das Gegenteil von Dieter und Susanne wäre dann Kevin und Sophia. 😄
@ Corny
"Ist dir das echt noch nie untergekommen?"
Nein leider noch nie. Deshalb habe ich ja nach einem Beispiel gefragt. Du sagst ja es gibt Beispiele in Medien oder Kommentaren dazu. Dann Teil doch einfach mal einen Link?
Aber selbst hier im Forum wäre mir das nicht geläufig und ich lese viel hier im Forum.
Ich glaube man darf das nicht mit einer Alliteration verwechseln. Die wird nämlich in so einem Kontext auch gerne mal verwendet.
Dann kommt es halt zum: begeisterten Bio-Bauer Billy.
Nach dem Schema könnte es genauso gut auch der Diesel-Detlef oder der Diesel-Dustin sein.
Ob man daraus jetzt bestimmte Namen herausziehen kann? Was soll denn all die Chantals und Kevins dieser Welt sagen. 😂
Manchmal hat man ja auch einfach nur ein ganz normalen Namen und dann kommt der Moment wo sich alles ändert.
Ich war mal mit Freunden in einem Starbucks obwohl ich überhaupt keinen Kaffee trinke. Die behältnisgrößen da sind für mich auch ein wahres Rätsel. Auf jeden Fall gibt man da bei der Bestellung ja oft seinen Vornamen an. Also hat ein schätze ich ca 40 Jahre alter Herr da seinen Kaffee bestellt und wartete auf seine Bestellung. Dann war die fertig und die Bedienung rief aus: Latte irgendwas für Robert.
An der Kasse standen auch drei junge Mädels, ich schätze so Anfang Mitte 20. Die schauten sich mit einem Ruck alle gleichzeitig an und brüllten durch den ganzen Laden: Rooooooobert. 🤣🤣🤣
Der Typ fand das gar nicht mal so lustig, kannte das aber entweder schon oder wusste dass das von den Geissens kommt. Mit einer eher resignierenden Geste hat er dann seinen Kaffee genommen und den Laden verlassen. Während alle umstehenden leise vor sich hingekichert haben. Also mit den Namen ist das halt so eine Sache...
Namen können klischeehafte Bilder aufrufen oder bildlich für etwas stehen.
Das Phänomen ist lange bekannt und gut erforscht. Der "Kevin Effekt" z.b. wurde hier schon genannt.
Zum wahrnehmbaren Problem wird das offenbar erst, wenn es die eigene Bubble trifft, Corny?
Anders als Dieter und Monika, die sich lediglich über harmlose Facebook Kommentare ärgern (und das ja auch nur wenn diese einen wunden Punkt bei ihnen treffen), hat das in Deutschland für Alis, Giovannis oder Mohammeds schon immer ganz reale und starke Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben:
Vom Namen wird, oft fälschlicherweise, auf die soziale Schicht geschlossen. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“ – diesen Spruch habe ich schon oft von Lehrerinnen und Lehrern gehört.
Mit bestimmten Namen ist man sein Leben lang Vorurteilen ausgesetzt. Wer Mehmet oder Ali heißt, Sumeyra oder Aishe, wird nicht selten die Erfahrung machen, dass sie es bei der Wohnungs- oder Jobsuche schwerer haben als andere. Ähnliche Erfahrungen werden Samantha und „Schackeline“ machen.
Quelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/diskriminierung-warum-ich-nicht-niels-ullrich-heisse-100.html
Es ist symptomatisch für unsere Zeit, dass Phänomene, die jeder kennt nun bei den privilegierten Boomern ankommen und auch sie betreffen und dann überhaupt erst von ihnen selbst als problematisch wahrgenommen werden, wenn sie selbst betroffen sind.
Und dann wird etwas, was für Dieter und Monika bisher unter Humor lief, als Witz und Umschreibung plötzlich im hohen Alter zum Problem.
Die anderen sollten das lustig finden und sich nicht so anstellen. Aber für Dieter und Monika geht das nicht. Dabei haben sie objektiv die wenigsten echten Nachteile durch ihre Namen. Sie 'müssen' die Namen höchstens als Spott auf einer verstaubten Social Media Seite lesen, die tatsächlich ohnehin fast nur noch von Dieters und Monikas genutzt wird.
Ich zitiere dazu mal den Satz, den Gen Z oft von Dieter und Monika zu hören bekommen und der umgekehrt eigentlich viel besser passt: Welcome to the real world, Dieter und Monika! Und Conny auch!
@Carla-1
In den Schulen mancher Stadtteile gibt es Schulklassen in denen fast nur noch Schüler sind die türkisch und arabisch sprechen, die sind dann natürlich furchtbar von Diskriminierung betroffen.
Die Kinder der woken Grünlinken wohnen ja meist in den besseren Stadtteilen und bekommen das real ja gar nicht mit.
Willkommen in der Realität außerhalb der Bubble, Carla.
@ YNL
Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Außerdem ist diese Art der Ghettoisierung ja gesellschaftlich gewollt, oder nicht?
Den "Kevinismus" würde ich damit gar nicht einmal so direkt vergleichen wollen, da dieser ja eher die Personen mit konkret diesen Namen vorverurteilt bzw. benachteiligt. Wenn der Muhammad nicht zur Wohnungsbesichtigung eingeladen wird, dann vielleicht auch deshalb, weil der Vermieter in der Vergangenheit Probleme mit Mietern aus dem Kulturkreis hatte, in welchem dieser Vorname sehr häufig vergeben wird; oder der Arbeitgeber hatte mit der letzten Gül soviele Probleme, dass er lieber keine Damen mit ähnlichen Vornamen mehr einstellen möchte.
Mir geht es aber eher darum, dass sich stellvertretend über "Boomer" lustig gemacht wird mit diesen 60er- und 70er-Namen als "Platzhalter" - da trifft es der "Karen"-Vergleich wirklich am besten.
@Kurvenfan
Ihr Argumt Wer Mehmet oder Ali heißt hat es bei der Wohnungs- und Jobsuche schwerer mag in der Vergangenheit so gewesen sein heute definitiv nicht mehr. Trotz allem Eifer wird man nie alles gleich machen können.
@YNL ich arbeite als Lehrerin an einer Realschule mit 80% Migrationshintergrund. Und du wirst es nicht glauben,wir sprechen alle gemeinsam deutsch.
YNL, ich denke schon dass Menschen mit diesen Vornamen mitunter Probleme bei der Wohnungs- oder Jobsuche haben, vor allem wohl auch im eher ländlichen Raum.
Bei mir haben sich da (leider) auch ein paar Vorurteile eingeschlichen, nachdem ich bei Wohnungsvermietungen und ausgesprochenen Absagen (aus anderen Gründen, der Name/die Herkunft waren es nicht) dann plötzlich auf niederstem Niveau beleidigt wurde und neue Schimpfwörter in fremden Sprachen kennenlernen durfte.
Alos ich habe das o auch noch ncith erlebt. Speziell ausgerichtet auf boomer.....und cih bin viel auf facebook. Ich rede ehre manchmal vom deutschen Michel......aber ich muss mal aufpassen,ob dem so ist
@Sarahlina
Das freut mich. In französischen Schulen ist die Amtssprache Französisch, in italienischen italienisch und trotzdem werden viele Kinder aus anderen außereuropäischen Kultutkreisen anders sozialisiert. Im Idealfall findet Erziehung daheim, nicht in der Schule statt.
YNL : schön,dass Du mir meinen Beruf erklärst. Das hätte ich jetzt nicht gedacht,dass Erziehung daheim passiert. Echt etz?
Die eigenen Vorurteile sind natürlich immer solide Erfahrungen. Die Vorurteile anderer sind weltfremd und dumm.
Wie gesagt gab es das schon immer, Corny.
Manni der Mantafahrer, Uschi, die Blondine, die "Gabi", die Frau die schwule, beste Freunde hat... alles mehr oder weniger 'witzig'. Es betraf nur deinen Dieter davor nicht.
@Sarahlina
Ich kenne ebenfalls eine Lehrererin, Realschule, kein Brennpunkt, mittelgroße Stadt, die mir sagte dass das Vermitteln von Wissen heutzutage etwa 15% ausmacht. Schriftkram, E-Mail-Verkehr oft mehr Ärger mit den Eltern statt den Kindern. Die Unterschiede in den den Klassen sind oft viel zu groß. Man bräuchte einfach wieder das ideologiefreiere, besser funktionierende, weil leistungsorientierte, Schulsystem der 90er, 2000er.
YNL: Dieses System haben wir ja leider immer noch,du Schlaumeier. Und darunter leiden sehr viele Kinder. Schulangst,Panikattacken etcetc nehmen immer mehr zu.
Wenn die Dame nur 15% Wissen vermittelt,arbeitet sie schlecht. Sorry,isso. Das Arbeiten mit den Kindern sollte immer im Vordergrund der Prioritäten stehen. Alles andere,was,wo sie Recht hat an Bürokratie zugenommen hat,macht man eben danach oder zwischendrin.
Viele Kinder kommen nicht gut mit dem leistungsorientierten Sytem,was wir immer noch haben,sonst würden wir ja nicht benoten ,zurecht. Wir müssen uns den Kindern anpassen,nicht die Kinder an uns. Ich kann das nicht leiden,wenn ich schon höre. "Das war schon immer so,so macht man das" Bullshit. Sonst hätten wir heute noch die Prügelstrafe. Pädagogik muss wachsen MIT den Kindern. Wir Lehrer arbeiten mit dem "Material"was vorhanden ist.
Sarahlina KENNT aber nicht nur eine Lehrerin, sie IST seit vielen Jahren Lehrerin.
Kannst du uns mal mit deinen Belehrungen aus zweiter, dritter und vierter Hand, die du auf Facebook in der AfD Bubble gelesen hast, in Frieden lassen und die Aussage einer Person, die in dem Beruf arbeitet einfach mal akzeptieren und stehen lassen? 🤯
Sitzenbleiben, Auslese, nicht Wolkenkuckucksheim wir schmeißen mit Wattebällchen um uns, das Leben ist nicht wünsch dir was sondern das Leben, oft hart.
das Leben ist nicht wünsch dir was sondern das Leben, oft hart.
Sagt der lebensfrohe Bub, der auf Staatskosten gerade im Urlaub am See die Seele baumeln lässt und alle verhöhnt, sie müßten nur lächeln, die sich zur Arbeit quälen.
Alter, woher nimmst du diese Arroganz und Verachtung?