Gendern - Bevormundung?

in „Rundum Leben“

Zu diesem Thema gibt es 746 Antworten

„Grimma“ (Pseudonym)

Es würde sie zu Recht stören, weil es eben eigentlich gar kein Privileg ist, sondern ein normales Recht, und zwar für jeden.
Ob die Form und die Art wie aktuell Gendergerechtigkeit in der Sprache versucht wird, der richtige und endgültige Weg ist, weiß ich nicht. So etwas muss man eben diskutieren und auch ausprobieren (können und dürfen). Was mich stört ist, dass doch nicht ernsthaft wirklich die Form der Stein des Anstoßes ist, sondern das grundsätzliche Recht infrage gestellt wird.. Das gibt nur selten jemand offen zu, so wie Stierfrau neulich, die schrieb, es sei ihr egal, solange sie nicht damit konfrontiert sei und die damit wenigstens ehrlich war.
Ich wage zu behaupten, dass es für die Wenigsten wirklich, ehrlich um Sprache und Kultur geht. Wenn es so wäre, ist diese "Kultur" in der die Bequemlichkeit der einen Gruppe wichtiger ist als die Rechte der anderen, wirklich Wert sie zu pflegen?

Einer der vorherrschenden Argumente: Haben wir keine dringenderen Probleme?
Ja, haben wir. Deshalb kann uns eine Lösung „kleinerer“ Probleme dennoch weiterbringen. Wenn ich Krebs habe und Migräneattacken, ist der Krebs die Priorität – deshalb gehe ich wegen der Migräne aber dennoch zum Arzt und suche eine Lösung. Eine gefundene Lösung wird meine Lebensqualität kurzfristig enorm erhöhen, dann kann ich mich auch besser auf die Krebstherapie konzentrieren.
Wer selbst keine Migräneattacken hat, erkennt entweder die Notwendigkeit diese zu behandeln nicht an und findet der andere stellt sich an. Oder er bringt genug Empathie für den Schmerz des Anderen auf, und erkennt, was das für den anderen und unser aller Zusammenleben bedeutet. In letzterem Fall wird ein denkender, fühlender Mensch in der Regel doch nicht dazu raten, sich den Schmerz zu verkneifen, weil es noch größere Probleme gibt, als Migräne.

Wenn gendern in der Sprache nicht übertrieben wird, finde ich es ok.
Wobei ich gestehen muß, daß mich im Sprachfluß ( z.B bei Nachrichten) der Anhang "innen" oft erstmal irritiert.
Zum Beispiel:
"Polizist*Innen hatten ihre Mühe, den Randalierer zu bändigen...". Dann ist mein erster Gedanke oft....
"Wie, nur die Polizistinnen konnten den Kerl nicht überwältigen, die Männer dann doch..."😳
Darüber stolpere ich noch häufig.
Ich selber tue mich bei der Anwendung erstmal schwer, muß sehr gezielt dran denken. Oder lasse es einfach, je nach Situation oder Aussage, die ich machen will. In meinem bunten Freundeskreis wird Akzeptanz irgendwie anders wertschätzend gelebt, als über gendern in der Sprache.
Ich finde, es ist eh wichtiger, im Alltag "akzeptierend" zu leben und nicht nur durch "theoretische" Sprache.

Bei Worten wie "Muttermilch" kann ich nur den Kopf schütteln. Da wird es mir dann zu dogmatisch.
Da denke ich mir immer:
" Na, mal abwarten, wie es noch kommt und was sich durchsetzt..." Ich habe immer die Rechtschreibreform in ihren Anfängen im Kopf. Da gingen die Diskussionen auch wild hin und her.

„Ludwigsburg“ (Pseudonym)

Auf mich wirken die Anti-Genderdebatten immer als würden sie von Menschen iniiert, denen ihre eigene Komfortzone einfach viel viel wichtiger ist, als die Gesellschaft nach und nach etwas besser zu machen. So als würde es in ihrem Denken gar nicht vorkommen, dass andere Menschen vielleicht andere Bedürfnisse haben könnten und das man manche Dinge halt auch machen sollte, OBWOHL sie einem selbst keine Vorteile bringen, sondern für die nächste Generation wichtig sind. Vermutlich gibt es gibt eine große Schnittmenge zwischen "Anti-Gender-Aktivisten" und "Einschränkungen für mehr Klimaschutz"-Ablehnern.

„Böblingen“ (Pseudonym)

Beim gendern denk ich mir - macht was ihr wollt, ich tue das doch auch.😁

Meine Texte kann man noch lesen, auch wenn sich manche darüber aufregen.😉

„Grimma“ (Pseudonym)

Eine neutrale Ausdrucksweise schließt ja alle ein – man muss sich also genaugenommen dann weniger Gedanken darum machen, ob man jemanden verletzen könnte, oder Aussagen abklopfen, weil man von vorneherein keinen ausschließt.


Langfristig ist das deshalb doch eigentlich wesentlich einfacher und nicht schwieriger? 🤔

@Carla2
Ich fände es besser, wenn ich richtig zitiert werde, wenn ich schon von dir zitiert werde.
Der zweite Satz ist von dir.
Ich schrieb, daß es mir da zu dogmatisch wird.
Danke.


Und nein.
Mir war nicht bewusst, daß diese Diskussion zum Thema Muttermilch aus Großbritannien stammt. Woher auch.
Ich lese kein englischsprachlichen Artikel zu diesen Themen.
Zumal ich es irritiert finde, warum Muttermilch nicht so heißen soll. Es ist die Milch einer Mutter, egal ob Kuh, Ziege, Camel oder Mensch. Alles andere ist ein Muttermilch Ersatz Produkt 😳
Diese Art der Diskussion zum Thema gendern, gerade bei solchen Worten, trägt aber gewiß zum verständnisslosen Kopfschütteln bei.
Ich lehne gendern ja nicht generell ab.
Aber bei manchen Worten wird es mir zu theoretisch dogmatisch. Und da verstehe ich nicht, wem damit gedieht sein soll.


Ich denke, es wird sich mit den Jahren eine gängige Form des gendern einschleifen, einen Mittelweg sozusagen.

Ich gendere eher weniger. Durch Formulierungen wie "Bürger*innen" oder "Einwohner*innen" würde ich mich auch nicht besonders angesprochen fühlen, wenn es heißt "Bürger und Bürgerinnen" schon eher,

Die bevorzugte Verwendung des generischen Maskulinums bewirkt positive wie negative Diskriminierung. Ob Befürworter des Genderns so gerne dann auch Begriffe wie "Straftäter, Rassisten, Neonazis, Vergewaltiger, Terroristen" gendern? Oder viele Schimpfwörter werden auch eher in der männlichen Form verwendet.

„Böblingen“ (Pseudonym)

Das einfachste ist es, die weibliche Form zu verwenden, dann ist ruh und es ist alles lesbar. Tut auch nicht weh.

Das Thema ist nur ein Sturm im Wasserglas, unnötig wie ein Kropf.

„Grimma“ (Pseudonym)

Ob Befürworter des Genderns so gerne dann auch Begriffe wie "Straftäter, Rassisten, Neonazis, Vergewaltiger, Terroristen" gendern?


Echt? Wo denn?
Hast Du da mal ganz konkrete Beispiele, wo das geschieht, oder ist das eher so ein Gefühl? Ich habe gerade neulich einen Podcast gehört, in dem "Rassist:innen" und "Verschwörungstheoretiker:innen" vorkam. (Legion). "Straftäter:innen" habe ich auch schon gelesen.
Vergewaltiger vielleicht - wenn man bedenkt, dass 95% der Sexualstraftäter männlich sind und die 5% weiblichen meist noch Mitläufer sind, die selbst keinen körperlichen Kontakt zum Opfer haben, sondern "nur" die Tat decken, erscheint mir das in diesem Fall jetzt auch nicht so daneben. Von mir aus kann man aber gerne Vergewaltiger:in verwenden, wenn man dann auch Lehrer:in verwendet, dort überwiegen die Frauen nämlich in einigen Bereichen mit bis zu 74% und das Wort Lehrer kommt im Alltag im generischen Maskulinum wesentlich öfter vor als Vergewaltiger.
Das Gendern ist für mein Empfinden eher eine Sache der Schriftsprache und der offiziellen gesprochenen Sprache – also Ämter, Formulare, Jobanzeigen, wissenschaftliche Abhandlungen, Studien, Medien, wie Zeitungen, Nachrichten und so... ähnlich der Rechtschreibung vielleicht, die ist z.B. im privaten Chat ja auch weniger eine Priorität als sie das in einem Schulbuch oder einem Zeitungsartikel ist. Beim Bäcker nuschelt man auch eher im eigenen Dialekt, was man bei einer Präsentation im Beruf vielleicht nicht macht. Wenn es in die offizielle Sprache fände, wäre das schon ein großer Fortschritt - ich denke nicht, dass man erwarten kann, dass jetzt in erster Generation jeder im Privaten gendert, darum geht es doch aber auch gar nicht.
Ich meine, dass jemand im Suff Nacht nicht: "Du Arschloch:in" grölt - ist doch nicht ernsthaft ein Argument dagegen, weil es „diskriminierend“ ist, oder? 😅 Also ich vermute mal ganz schwer, das "Arschloch" ist in dem Moment tatsächlich nicht so inkludierend gemeint. 😉

„Halberstadt“ (Pseudonym)

"Ich meine, dass jemand im Suff Nacht nicht: "Du Arschloch:in" grölt - ist doch nicht ernsthaft ein Argument dagegen, weil es „diskriminierend“ ist, oder?"

Insbesondere da ja eine bestimmte Person gemeint ist, welche sich im besten Fall bereits binär zuordnen lässt und die Möglichkeit besteht, das mit dem neutralen Artikel "das" assoziierte Wort Arschloch hier explizit auch im Femininum "du Arschlochine" zu gendern.

Bedeutet im Umkehrschluß aber eine Diskriminierung gegenüber einer männlichen Person, da man mit dem generischen Neutrum "Arschloch" diesen noch zusätzlich binäre Unbestimmtheit unterstellt. 🤔

Ich benutze übrigens in der Arbeit im Mailverkehr explizit das Gendersternchen, da "Hallo Kolleg*innen" einfach weniger zu schreiben ist als "Kolleginnen und Kollegen"

@Carla2 - nun von Befürwortern des Genderns habe ich bisher immer nur positiv oder neutral besetzte Beispiele gesehen, wo das Gendern gefordert wird wie Manager*innen, Fußballer*innen usw. Halt Rosinenpickerei nicht einen ganzheitlichen Ansatz.


Wenn es in die offizielle Sprache fände, wäre das schon ein großer Fortschritt - ich denke nicht, dass man erwarten kann, dass jetzt in erster Generation jeder im Privaten gendert, darum geht es doch aber auch gar nicht.

Aber in zweiter oder dritter Generation schon wie? Eine sprachliche Lösung halte ich nicht unbedingt für zielführend eher ein tieferes Verständnis und Akzeptanz von Gleichberechtigung, dann ist auch ein generisches Maskulinum kein Problem.



Ich meine, dass jemand im Suff Nacht nicht: "Du Arschloch:in" grölt - ist doch nicht ernsthaft ein Argument dagegen, weil es „diskriminierend“ ist, oder? 😅 Also ich vermute mal ganz schwer, das "Arschloch" ist in dem Moment tatsächlich nicht so inkludierend gemeint. 😉

Luther sagte mal was von " dem Volk aufs Maul schauen", nicht das jetzt Arschloch oder Arschloch:in Einzug in die Umgangssprache halten muss, aber es geht um die Tendenz - eine deutliche Mehrheit ist nunmal hier gegen das Gendern.

„Grimma“ (Pseudonym)

Danke übrigens für den super Beitrag von rk76de - so ruhig und einfach geht es auch.