Politik-Sammeltread - 3.1

in „Politik und Weltgeschehen“

Zu diesem Thema gibt es 2238 Antworten

@ BirneHelene
Ich denke da unterliegst du einem großen Trugschluss.

Dieses Argument:
"Würden sie zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung verpflichtet, entstünden oft hohe laufende Kosten, ohne dass ihnen daraus ein angemessener Mehrwert entsteht."
und dieses Argument:
"Besonders für kleine Betriebe, Existenzgründer und Einzelunternehmer können mehrere hundert Euro zusätzliche Pflichtbeiträge pro Monat eine erhebliche Belastung sein."
sind ziemlich deckungsgleich.

Sie bedienen das narrativ, dass man Geld für etwas zusätzlich ausgeben müsste, ohne dafür eine Leistung zu erhalten. Dem ist aber nicht so. Wenn das umlagefinanzierte Rentensystem tatsächlich für alle gelten würde könnte es auch seiner Leistung nachkommen. Dann würde man nämlich auch weniger in die private Vorsorge investieren müssen, da man dann nur noch das Delta absichern muss, welches zur Grundversorgung der gesetzlichen Rente entsteht. So wie es jeder Angestellte in der Regel auch tut und die können von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Da der Rentenbeitrag sich nach dem Einkommen richtet ist dann auch sichergestellt, dass die Belastung angemessen ist. 😊

"Wer unternehmerische Eigenverantwortung fordert, sollte den Menschen auch zutrauen, ihre Altersvorsorge selbst zu gestalten."
Hier geht es aber nicht darum, ob ich jemandem zutraue sich selbst zu versichern, hier geht es um eine solidarische Pflichtversicherung für alle. Man kann privat immer noch entscheiden wie und in welcher Höhe man sich versichern will, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Zahlungspflicht für alle gelten muss. Beispielrechnungen zeigen auch, dass die Regierung dann bei gleicher Leistung die Rentenzahlungen für alle reduzieren könnte. Den Überschuss, den kann dann jeder selbst in private Rentenprodukte investieren und das wäre für mich eine gescheite Lösung.
Denn sind wir mal ganz ehrlich, wenn der Selbstständige es am Ende des Tages nicht auf die Reihe bekommt will er trotzdem Grundsicherung haben so wie jeder andere auch. Das schlussendliche Risiko liegt damit sowieso IMMER beim Steuerzahler.

"Mir scheint, dass in solchen Diskussionen oft übersehen wird, dass Unternehmer nicht nur für sich selbst verantwortlich sind, sondern häufig auch für ihre Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Stabilität ihrer Betriebe."
Korrekt und für diese Mitarbeiter muss er ja sowieso Rentenbeiträge zahlen. Wenn ich Angestellter in einem Betrieb bin, dann bin ich schon Pflichtversichert. Was würde sich daran ändern, wenn der Inhaber, der meist auch die meiste Kohle abschöpft dies auch tun müsste? Oder liegt es gar nicht am Risiko oder der Unternehmensführung sondern dass man Angst hat, weniger Gewinn in der Tasche zu haben? Ich mein das ist ja verständlich und wäre bei jedem Angestellten auch so, aber dann kann man doch auch ehrlich sein. 😉

Also wäre es keine "neue" Pflichtabgabe, die wäre nur endlich für alle gleich und das Cherry-Picking bei den Sozialabgaben würde aufhören. Das schließt ja Beamte und Staatsbedienstete mit ein, denn wieso sollten die nicht auch an dem System beteiligt werden?

Lieber Kurvenfan

Ich glaube nicht, dass ich einem Trugschluss unterliege, sondern dass wir von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen.

Du argumentierst aus Sicht eines Angestellten, der ohnehin in einem umlagefinanzierten System steckt. Der Selbstständige lebt aber bereits heute genau das Modell, das du als Zukunftslösung vorschlägst: Er muss seine Altersvorsorge vollständig selbst finanzieren und trägt das Risiko allein.

Wenn nun jemand 20 oder 30 Jahre lang privat vorsorgt, Immobilien finanziert, Betriebsvermögen aufbaut oder Kapitalanlagen bespart hat, dann bedeutet die Einführung einer Rentenversicherungspflicht eben nicht, dass er künftig weniger vorsorgen muss. Die gesetzliche Rente entsteht schließlich nicht rückwirkend. Viele müssten jahrzehntelang doppelt zahlen: Einerseits weiter ihre bestehende Altersvorsorge bedienen und andererseits zusätzlich Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse leisten.

Genau darin liegt für viele Selbstständige das Problem.

Hinzu kommt, dass die gesetzliche Rentenversicherung keine Kapitalanlage ist, sondern ein Umlagesystem. Die eingezahlten Beiträge werden nicht für den Einzahler angespart, sondern unmittelbar an heutige Rentner ausgezahlt. Deshalb ist die Rendite für viele Gutverdiener und Unternehmer deutlich schlechter als bei einer langfristigen privaten Kapitalanlage.

Dein Argument der Solidarität verstehe ich durchaus. Allerdings funktioniert Solidarität in beide Richtungen. Viele Selbstständige haben jahrzehntelang keinerlei Anspruch auf Arbeitslosengeld, erhalten keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, tragen das volle Unternehmerrisiko und finanzieren ihre soziale Absicherung selbst. Da wirkt es etwas widersprüchlich, wenn man ihnen gleichzeitig vorwirft, sie würden sich vor Solidarität drücken.

Und bei dem Satz vom Unternehmer, der „meist die meiste Kohle abschöpft“, wird es aus meiner Sicht etwas zu pauschal. Der kleine Handwerksmeister, der Solo-Selbstständige oder der Betreiber eines Familienbetriebs gehört selten zu den Großverdienern. Viele Unternehmer haben Monate oder Jahre, in denen sie deutlich weniger verdienen als ihre eigenen Angestellten. Das unternehmerische Risiko verschwindet nicht dadurch, dass man am Ende eines guten Jahres vielleicht einmal mehr verdient.

Was die Grundsicherung betrifft: Ja, niemand soll im Alter durchs Raster fallen. Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass jeder in dasselbe System gezwungen werden muss. Man könnte genauso eine verpflichtende Altersvorsorge mit verschiedenen zulässigen Modellen vorsehen, statt ausschließlich die gesetzliche Rentenversicherung als einzig richtigen Weg zu betrachten.

Beamte und Politiker in ein gemeinsames System einzubeziehen, darüber kann man übrigens durchaus diskutieren. Aber das macht die strukturellen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung noch nicht automatisch verschwinden. Die demografische Entwicklung bleibt dieselbe – egal wer einzahlt.

@ BirneHelene
Auch das sehe ich deutlich anders.
"Viele müssten jahrzehntelang doppelt zahlen: Einerseits weiter ihre bestehende Altersvorsorge bedienen und andererseits zusätzlich Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse leisten. "
Das wäre natürlich quatsch und auch alle Konzepte zu einer möglichen Einführung sehen ja Übergangsfristen vor. Die wären ohnehin schon sehr lang, da man die aktuell arbeitende Generation wahrscheinlich nur schwer zwingen kann oder sollte. Jedoch muss man irgendwann mal anfangen und das ließe sich einfach mit einer Jahrgangsgrenze regeln.

Eine zu 100% private Rentenversicherung für alle halte ich für gefährlich, weil diejenigen die nicht vorsorgen eben am Ende doch wieder vom Staat aufgefangen werden müssen. Oder man hat Zustände, wie man sie in den USA bewundern kann. Ich würde dann die Pflichtversicherung für alle bevorzugen, weil es hier um die Grundsicherungspflicht geht.

"Deshalb ist die Rendite für viele Gutverdiener und Unternehmer deutlich schlechter als bei einer langfristigen privaten Kapitalanlage. "
Das stimmt auch nur bedingt, denn eher konservative Rentenversicherungen haben auch eine ähnlich niedrige Rendite. Auch ein privater Rentenversicherer muss wie der deutsche Staat ja laufende Renten auszahlen und tut dies mit dem Umlaufvermögen, welches er auch von neuen Mitgliedern erhält. Je risikoreicher die Anlageform ist wie z.B. in ETF, desto höher KANN die Rendite sein, wobei die garantierten Rentenzahlungen dann sehr niedrig ausfallen, weil es eben auch einen Ausfall geben kann. Wer seine gesamte Rente auf solche Systeme stützt, der könnte bei einem Wirtschaftscrash auch schnell leer ausgehen. Ich denke ein Mix ist hier die richtige Lösung und den streben ja auch die Rentenfonds der staatlichen Rentenversicherung an.
Tatsache ist auch hier, je mehr Umlagevermögen zur Verfügung steht desto mehr Investitionsspielraum bleibt. Auch das ist ein Punkt, der bei einer Pflicht für alle zum Tragen käme.

"Viele Selbstständige haben jahrzehntelang keinerlei Anspruch auf Arbeitslosengeld"
Das ist ja wohl ein Witz. Dann haben sie auch nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Von nix kommt auch nix, oder? Und als Selbstständiger trägt man wie du geschrieben hast was das Einkommen angeht das volle Risiko. Theoretisch kann man sich auch hierzu versichern, wenn man das möchte, aber dann muss man eben den Kosten-Nutzenfaktor so einer Versicherung abwägen.
Überall da, wo ein Unternehmer auch am Solidarsystem beteiligt ist profitiert er dann auch davon. Da wo er nicht einzahlt, kann er natürlich auch keine Leistung erhalten. ☝️

"Der kleine Handwerksmeister, der Solo-Selbstständige oder der Betreiber eines Familienbetriebs gehört selten zu den Großverdienern"
Genau und wie bei Angestellten auch würden diese auch nach ihrem Einkommen für den Rentenbeitrag bemessen werden.

"Das unternehmerische Risiko verschwindet nicht dadurch, dass man am Ende eines guten Jahres vielleicht einmal mehr verdient. "
Auch das ist eine Plus-Minus Rechnung, wie sie jede größere Firma ja auch macht. Meist haben die einfach mehr Volumen, um auch mal Flauten abzufangen. Das ist natürlich in einem Kleinbetrieb nicht so einfach, aber theoretisch sollte auch jeder Selbstständige für diesen Fall Rücklagen bilden bzw. übers Jahr mit seinem Einkommen auskommen.

"Ja, niemand soll im Alter durchs Raster fallen. Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass jeder in dasselbe System gezwungen werden muss."
Weil es so schön einfach ist eine Hängematte zu haben, die einen auffängt ohne je etwas dafür getan zu haben. 😅

"Man könnte genauso eine verpflichtende Altersvorsorge mit verschiedenen zulässigen Modellen vorsehen, statt ausschließlich die gesetzliche Rentenversicherung als einzig richtigen Weg zu betrachten. "
Wo wäre denn der Unterschied, außer der, dass man damit private Versicherungen stärken würde? Ich halte das in so einem essentiellen Versorgungssystem für falsch und bin der Meinung, dass der Staat sogar per Grundgesetz die Pflicht der Grundversorgung für alle Bürger hat. Im Grundgesetz sind Selbstständige meines Wissens nach auch nicht ausgeklammert. 😉

"Beamte und Politiker in ein gemeinsames System einzubeziehen, darüber kann man übrigens durchaus diskutieren. Aber das macht die strukturellen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung noch nicht automatisch verschwinden. Die demografische Entwicklung bleibt dieselbe – egal wer einzahlt."
Auch das ist nicht ganz richtig leider. Es gibt Bevölkerungsgruppen das ist z.B. auch für die Krankenkassen relevant, die häufiger krank werden oder berufsbedingte Erkrankungen erleiden. Wenn man dann hergeht und bestimmte Berufsgruppen aus dieser Solidargemeinschaft ausklammert, dann entsteht ein Ungleichgewicht, weil eben nicht alle Bürger gleich situiert sind. Daher sind solche Systeme nur dann am wirksamsten, wenn sie auch den vollen Gesellschaftsquerschnitt abbilden.
Das gilt sowohl für die Rentenversicherung, als auch für Krankenversicherung, denn so schlecht verdienen ja auch die meisten Staatsbediensteten nicht und es sind eher durchweg mittlere und hohe Einkommen, die da aus der Solidargemeinschaft ausgeklammert werden.

Götz Werner, dm - Gründer
leider vor 4 Jahren verstorben brachte ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Vorschlag für alle und unabhängig davon ob jemand Arbeit hat oder nicht.

Sein Konzept sah vor alle Steuern auf Arbeit und Erwerb abzuschaffen, stattdessen die Wertschöpfung beim Endkonsum über eine angehobene Mehrwertsteuer zu besteuern.

Stand heute klingt das utopisch, betrachtet man aber die künftige Entwicklung könnte es in die Richtung gehen, insbesondere dann wenn eine kritische Anzahl Menschen nicht mehr über die nötigen Mittel verfügt um das System am Laufen zu halten.



https://youtu.be/fzbhbWRHwZU?si=GytpitjMt0UsajJH

Lieber Kurvenfan

Ich glaube, wir drehen uns ein wenig im Kreis, weil wir die Sache aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Du argumentierst vor allem aus Sicht der Solidarität des Systems. Das ist legitim. Ich betrachte die Sache eher aus Sicht derjenigen, die bereits heute ihre Altersvorsorge vollständig selbst finanzieren.

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich beide Perspektiven kenne. Im Angestelltenverhältnis kann ich viele deiner Argumente durchaus nachvollziehen. Dort erscheint eine möglichst breite Beteiligung am Solidarsystem zunächst einmal logisch und gerecht. Gleichzeitig habe ich in meinem Familienkreis einen Handwerksbetrieb und bekomme daher immer wieder mit, welche Herausforderungen Unternehmer im Alltag bewältigen müssen. Dadurch habe ich gelernt, wirtschaftliche und politische Fragen nicht nur aus der Sicht von Arbeitnehmern, sondern auch aus der Sicht von Betrieben und Selbstständigen zu betrachten. Oft stellt man dabei fest, dass Sachverhalte deutlich komplexer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Denn genau dort liegt für mich der entscheidende Punkt: Der Selbstständige erhält keinen Arbeitgeberanteil, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen automatischen Schutz durch die Arbeitslosenversicherung und trägt das volle unternehmerische Risiko. Dafür sorgt er eigenverantwortlich vor.

Deshalb halte ich die Aussage, man müsse nur alle in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen und dann wäre das Problem gelöst, für zu einfach.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist schließlich kein magisches System, das plötzlich mehr Geld erwirtschaftet als vorhanden ist. Sie leidet genauso unter der demografischen Entwicklung wie jedes andere umlagefinanzierte Modell. Mehr Einzahler helfen kurzfristig, beseitigen aber nicht die strukturellen Probleme.

Und beim Thema private Vorsorge wird oft so getan, als würde der Selbstständige sein Geld unter die Matratze legen. Viele investieren in Immobilien, Betriebsvermögen, Wertpapierdepots oder andere langfristige Anlagen. Das sind reale Vermögenswerte, die nicht automatisch schlechter sind als ein staatliches Umlagesystem.

Was mich außerdem stört, ist die unterschwellige Darstellung, Selbstständige wollten sich vor Solidarität drücken. Die meisten zahlen bereits erhebliche Steuern, finanzieren ihre Krankenversicherung selbst, schaffen Arbeitsplätze und tragen wirtschaftliche Risiken, die Angestellte gar nicht haben.

Solidarität bedeutet für mich nicht zwangsläufig, dass alle in exakt demselben System sein müssen. Solidarität kann auch bedeuten, dass jeder verpflichtet ist, für das Alter vorzusorgen – aber mit unterschiedlichen Wegen, solange das Ziel erreicht wird.

Und genau da liegt vermutlich unser eigentlicher Unterschied: Du vertraust auf ein einheitliches staatliches System, ich eher auf verpflichtende Vorsorge mit Wahlfreiheit beim Weg dorthin.

Ich finde das was als neues Aktienvorsorgedepot geplant ist, übrigens richtig gut. Es löst nicht grundsätzlich die "Renten sind zu gering"-Problematik, aber es ist ein guter Grundstein für eine private Vorsorge, in einem Umfang, den gerade kleine und mittlere Gehälter sich leisten leisten können. Gerade viele Frauen haben ja das Problem, dass sie eigentlich deutlich zu wenig vorgesorgt haben fürs Alter - da ist sowas absolut sinnvoll.

Sollte man ab nächstem Jahr auf jeden Fall mitnehmen, wenn man Arbeitnehmer:in ist.

https://www.finanztip.de/altersvorsorge/altersvorsorgedepot/

@ BirneHelene
"Ich betrachte die Sache eher aus Sicht derjenigen, die bereits heute ihre Altersvorsorge vollständig selbst finanzieren."
Das mache ich ja parallel auch. Trotzdem stellt sich eben die Frage, wie das ganze zukünftig aufgestellt sein soll.

"Der Selbstständige erhält keinen Arbeitgeberanteil, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen automatischen Schutz durch die Arbeitslosenversicherung und trägt das volle unternehmerische Risiko. Dafür sorgt er eigenverantwortlich vor."
Das hatten wir doch schon geklärt, oder? Der Selbstständige ist selbst der Arbeitgeber und erhält natürlich deshalb keinen Arbeitgeberanteil. Er bekommt keinen Schutz durch Arbeitslosenversicherung, weil er nicht einzahlt. Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall übernimmt auch beim Angestellten der Arbeitgeber, also ist er auch hier selbst Zuständig. Für all diese Fälle kann sich aber auch ein Selbstständiger versichern. Es liegt also an ihm, ob er das will oder nicht. Als Angestellter habe ich diese Wahlmöglichkeit nicht.

"Deshalb halte ich die Aussage, man müsse nur alle in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen und dann wäre das Problem gelöst, für zu einfach. "
Habe ich auch nie behauptet. Es ging hier primär um die Altersvorsorge und darum, dass das System unter anderem deswegen in Schieflage ist, weil nicht alle Bevölkerungsgruppen an dem Umlagesystem mitwirken!

"Viele investieren in Immobilien, Betriebsvermögen, Wertpapierdepots oder andere langfristige Anlagen. Das sind reale Vermögenswerte, die nicht automatisch schlechter sind als ein staatliches Umlagesystem. "
Das machen Angestellte ja genauso, nur ist die Rentenlücke durch die gesetzliche Rente eben nicht so groß und die Aufwendungen daher geringer.

"Solidarität bedeutet für mich nicht zwangsläufig, dass alle in exakt demselben System sein müssen. Solidarität kann auch bedeuten, dass jeder verpflichtet ist, für das Alter vorzusorgen."
Also ich möchte ja nicht kleinlich sein, aber der Grundsatz jeder für SICH ist genau das Gegenteil von Solidarität, denn in einer Solidargemeinschaft unterstützt man die, die sich eben nicht selbst tragen können und das auch über ein Niveau hinaus, das sie selbst beigetragen haben. Das ist ja der Sinn von Solidarität. Wenn ein Unternehmer das nicht hinbekommt, dann greift am Ende des Tages wieder der Staat und alle Bürger als Solidargemeinschaft MÜSSEN ihn auffangen.

"Und genau da liegt vermutlich unser eigentlicher Unterschied: Du vertraust auf ein einheitliches staatliches System, ich eher auf verpflichtende Vorsorge mit Wahlfreiheit beim Weg dorthin."
Naja mein Vertrauen ist auch eher so mittelmäßig. Es ist ein notwendiges Übel, das wir uns moralisch auferlegt haben. Ansonsten könnte man die Menschen auch einfach obdachlos werden oder verhungern lassen. Wenn die Regel wäre, dass jeder Mensch für sich selbst sorgen muss, wäre ich damit auch fein. Aber dann müsste auch diese Regel für alle gelten. Ich glaube nur, dass wir die Konsequenzen nicht tragen wollen. Das lässt sich weder mit unseren moralischen Grundwerten noch dem Grundgesetz vereinbaren. Solange das so ist sind Pflichtversicherungen nicht mein präferiertes Modell sondern ein notwendiges Übel. Ich denke auch, dass diese Pflichtversicherung wirklich nur das Niveau einer Existenzsicherung abdecken sollte. Genau wie eine Grundversorgung im Gesundheitssystem durch die Krankenkasse. Was die Menschen dann On-Top noch selbst machen ist ihnen dann ja wieder freigestellt und mit diesem Mix kann ich ziemlich gut leben.

Realistisch ist dieses Grundeinkommen faktisch jetzt schon gelebte Praxis.. in wenigen Jahren werden mehr als fur Hälfte der Bürger 65+ sein.. aber nicht mit der Rente leben, wohnen, gesund leben können. Der Fehlbetrag wird jetzt und dann immer mehr als soziale Leistungen, Wohngeld, usw. als quasi Grundeinkommen bezahlt werden müssen. Auf Grund der enormen Geldmittel Bedarfe des Staates werden die anderen Bevölkerungsteile nicht davon profitieren können und noch viel höhere Belastungen und Steuern ohne Gegenleistung leisten müssen. Fazit - bedingungsloses Grundeinkommen ist nur ein beschöningender Begriff für Sozialamts Leistungen - dass in Summe diese Kosten von keiner Volkswirtschaft der Welt aufgebracht werden kann zeigt, wie Deutschland und die EU in der Existenz limitiert ist.

@ YNL
Falls es dir nicht aufgefallen ist, aber wir hatten seit 2023 dieses System. Es nannte sich "Bürgergeld". Da der normale Bürger, aber den Prozentsatz derer nicht ertragen kann, die nichts zu dem System beitragen "wollen" wird es jetzt wieder abgeschafft und durch ein neues System mit Sanktionen ersetzt.

Ich denke die Debatte und dein Video sind veraltet (12 Jahre alt) und wir haben es ja nun als Staat ausprobiert. Schuld an der Abschaffung sind aber nicht die wenigen "Faulenzer" sondern die Polemik in der Gesellschaft die durch die privaten Medien angestachelt wird.
Der deutsche Michel kann eben nicht aushalten, dass da einer auf dem Sofa sitzt, während er arbeiten geht.

@Kurvenfan

Das Bürgergeld, ehemals Hartz4, ist eine Grundsicherung, die nur bei Bedürftigkeit ausgezahlt wird, Vermögen und Einkommen werden überprüft. Es war nie bedingungslos.

Werners Grundeinkommen würde jeder erhalten - unabhängig ob arm oder reich, in Beschäftigung oder nicht. Sein Vorschlag war ein komplett anderes Modell das vorsah, das heutige Steuersystem komplett umzubauen.

Das heißt alle bisherigen Steuern fallen weg und werden in der Mehrwertsteuer ca 50% zusammengefasst.

"Der deutsche Michel kann eben nicht aushalten, dass da einer auf dem Sofa sitzt, während er arbeiten geht."

Das mag für viele zutreffen, mein Motto war noch nie nach unten zu treten, nach oben zu buckeln, ohne neidisch auf besser Verdienende oder redliche Unternehmer zu sein.

@YNL
"Werners Grundeinkommen würde jeder erhalten - unabhängig ob arm oder reich, in Beschäftigung oder nicht."
Das stimmt nicht, denn auch sein Modell sah vor, dass Einkommen angerechnet wird.
Da ein Bürgergeld ohne Sanktionen faktisch das gleiche ist wären wir ja schon an dem Punkt angekommen. Wie gesagt die Diskussion ist veraltet und 12 Jahre her.

Also nach meinen Informationen sah Götz Werner's Modell nicht vor das BGE auf Erwebseinkommen anzurechnen. Das Bürgergeld wurde gegenüber Hartz4 zwar entschärft, sanktionsfrei war es jedoch nicht.

Betrachtet man die schon begonnene und zukünftige Entwicklung, welche Anzahl an Arbeitsplätzen überflüssig wird, nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Verwaltung dann läuft es früher oder später darauf oder auf ähnliche Modelle hinaus.

Es würde alles teurer werden, das zeigt zB der Tankrabatt. Ein BGE wäre auch nur sinnvoll in der gesamten EU.. und selbst wenn es eine Koalition aus linksaußen und rechtsaußen in Brüssel beschließen würde, auszahlen würden es die Länder und über den Finanzausgleich Deutschland. Es könnte aber funktionieren 🤔 Rechtsnational und Sozialistisch würden ihre Versprechen einlösen sich um die Leute zu kümmern, allerdings wird es keine soo potente Wirtschaft mehr geben, die das ganze finanziert. Nach der Autoindustrie jetzt, wird ein riesiger Teil des Mittelstandes kippen und in den nächsten Jahren sehr viele Großeinzahler (in den Steuertopf) in prekäre Jobs zwingen oder gar in eine lange Arbeitslosigkeit. Dieses wird in ganz Europa Rechtsaußen über 50% bringen. Es ist unsicher.. die außenpolitischen Faktoren sind auch nicht in der Gleichung 🤔 DOCH werden sie in den nächsten 10 Jahren wohl gezwungen sein werden ein Grundeinkommen auszuschütten.. 🤔 auch wenn es „nur“ in einer speziellen Währung wäre, die zB Wert verliert wenn man sie nicht wieder in den eigenen Markt rückinvestiert.. es könnte klappen 👩🏼‍💻

PS: zum Thema Sanktionen kann ich den aktuellen Podcast von Ronzheimer empfehlen 💁‍♀️

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre die normale, nächste Evolutionsstufe einer progressiven, auf Zusammenarbeit basierenden Gesellschaft. Das bGE würde alle Menschen bis weit ins AI-/Robotik-Zeitalter unabhängig von einer Erwerbstätigkeit absichern und den Menschen Perspektive geben.

Die Realität sieht aber anders aus: Durch Nationalismus, Rassismus und Protektionismus und Förderung des Gedankens, dass "Gute Menschen" böse sind, die ja nur irrationale "woke" Gedanken haben, haben wir uns in den letzten 5+ Jahren evolutionstechnisch eher zurück als voran entwickelt und sind von progressiven Ideen wie dem bGE weiter eintfernt denn je. Denn das bGE würde große Solidarität voraussetzen der Menschen untereinander.

Deutschland könnte es nicht allein einführen, es müßte schon in größeren Zonen gelten, sonst würde man Migrationswellen auslösen: Der Menschen nach Deutschland, der Wirtschaft aus Deutschland heraus, die lieber unsolidarisch und kostengünstiger arbeiten möchte.

Die Realität sieht auf der Welt aber derzeit ganz anders aus: In den allerwenigsten Ländern haben Menschen gesichert Zugang zu Krankenversorgung und Nahrung. Selbst "ziviliierte" Länder wie die USA entwickeln sich zurück und folgen eher dem Ansatz "Krankenversorgung für diejenigen, bei denen es sich lohnt". WEnn sich die Menschen der Welt politisch für grenzenlosen (nationalen) Egoismus entscheiden, wird es nie ein bGE geben, sondern eher ein politisches System rund um ein gBE - einen gnadenlosen Beweis der Existenzberechtigung, wenn man überleben will. Die Welt wird gerade auf Basis der Wahl, die die Menschen treffen, eher härter als besser.

@ Selfcare
Da bin ich deiner Meinung. Aber ich glaube auch, dass sich das nicht mehr verhindern lassen wird. Die Spirale hat sich meiner Meinung nach schon zu weit gedreht.
Viele Menschen werden erst verlieren müssen was sie hatten, um den Wert des Verlorenen zu erkennen. Wahrscheinlich ist das die einzige Lösung. Die Geschichte zeigt, dass es scheinbar nicht anders funktioniert hat.

Das bedeutet ein totaler Zusammenbruch @Kurvenfan.. was es nicht geben wird. Man muss nicht hellsehen um zu sehen, dass die AfD bald über 50% kommen wird und wie sie sich dann benehmen werden, hängt ganz stark davon ab, wie hoch sie die Ressentimente angehäuft haben. Es bringt nichts, mehr als 50% der Bevölkerung.. 🤔 bzw mehr als 90% weltweit (schätze ich) rückständig und wissenschaftsfaul zu nennen, sag doch gleich, dass sie behindert sind und sprich ihnen alle Rechte ab, verbiete ihre Parteien und gründe Umerziehungslager wie der Große Bruder Xi.. @SelfCare

Ich picke hier mal einen kleinen Teil heraus. Rentenfinanzierung: M. E. geht das nur über eine Anlageform dort, wo das Kapital sitzt; also Börse. Was und wie muss natürlich sehr genau festgelegt werden. Lt. einem ehemaligen Arbeitskollegen wurde das schon vor mehr als 40 Jahre im Betriebsrat diskutiert. Wenn das schief geht, ist m. M. nach das Finanzsystem sowieso am Ende. Hätte nie gedacht, dass ich mal zu dem Ergebnis kommen würde.

Ja und wir hatte eine deutsche Einheit und haben die restlichen westlichen Geldrücklagen in den Osten investiert.

@Kurvenlover Reine Rentenfinanzierung über die Börse ist halt super, super risky, gerade wenn das noch institutionell gesteuert würde, ist es halt super leicht manipulierbar d.h. irgendwelche großen Investoren würden sich auf Kosten der kleinen Investoren bedienen.

Deshalb ist diese "Rentenzusatzsystem" auf Aktienbasis nach amerikanischem Vorbild schon nicht so doof, weil die Anleger die Kontrolle behalten, in was sie ihr Geld anlegen und eben auch breiter investieren können.

Sorry, da habe ich mich nicht korrekt ausgedrückt. Die Basis sollte schon das jetzige System sein; Wertpapiere oder Börse als Zusatz. Wie geschrieben mit festgelegten Regularien, ok, wie in den USA. Verwaltungskosten sollten natürlich gedeckelt sein. Klar, Risiko besteht immer. Mir geht es darum, dass wir auf jeden Fall vom reinen Umlagesystem wegkommen, sonst haben wir ständige Diskussionen darüber und die zukünftigen Rentner eine immer geringere Rente.

Das Problem bei Subventionen ist, dass das Geld leider nicht wieder zurück in den Kreislauf fließt, aus dem die Subventionen stammen. Schau auf die aktuelle E-Auto Prämie 💁‍♀️ wieviel von unseren Steuern gehen jetzt direkt nach China? Das Grundeinkommen würde auch nach China fließen, die Leute hätten nämlich mehr Geld um das Zeug von Temu zu bestellen 🤔 was dann auch noch zu viel mehr Frachtflugverkehr führen würde. Ein Grundeinkommen sollte daher nicht bedingungslos sein, es sollte zB so funktionieren wie es zur Zeit die regionalen Währungen funktionieren. Du kannst sie nicht ansparen, sie verlieren mit der Zeit an Wert (Negativzins) und du kannst das Geld nur regional ausgeben. Das würde funktionieren und die regionale und überregionale Wirtschaft und Infrastruktur stärken.