Klima

in „Politik und Weltgeschehen“

Zu diesem Thema gibt es 326 Antworten

@Kurvenfan
Ich habe mir das alte Video von Harald Lesch angesehen, und für mich liegt seine Botschaft vor allem in der Differenzierung, die heute oft verloren geht.

Was Lesch sehr klar macht: Das Klima ist ein hochkomplexes System. Klimamodelle hängen von unzähligen Faktoren ab – Sonneneinstrahlung, Vulkanaktivität, Ozeanströmungen, Wolkenbildung, Eisflächen, Vegetation und vielem mehr. Schon kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben. Deshalb liefern Modelle manchmal auch falsche oder sehr unterschiedliche Ergebnisse, besonders bei langfristigen Prognosen. Das ist für mich kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern ein Hinweis darauf, wie schwierig verlässliche Vorhersagen überhaupt sind.

Ein weiterer Punkt, den ich wichtig finde: In der meisten Zeit der Erdgeschichte war die Erde wärmer als heute. Eiszeiten waren eher Ausnahmen. Das Klima hat sich also schon immer verändert – ganz ohne den Menschen. Diese natürliche Dynamik gehört zur Geschichte unseres Planeten und darf aus meiner Sicht nicht ausgeblendet werden.

Gleichzeitig heißt das für mich aber nicht, den menschlichen Einfluss zu leugnen. Beides kann gleichzeitig wahr sein:
Das Klima verändert sich von Natur aus und der Mensch wirkt heute zusätzlich beschleunigend auf diese Prozesse ein. Diese Spannung auszuhalten, ohne in Extreme zu verfallen, finde ich entscheidend.

Was mir in dem Zusammenhang ebenfalls wichtig erscheint: Ein großer Fehler der Menschheit war es, sich ausgerechnet dort anzusiedeln, wo Natur besonders dynamisch ist – an Flüssen, an Küsten, in Deltas, nahe von Gletschern. Diese Regionen waren nie stabil. Überschwemmungen, Sturmfluten, Meeresspiegeländerungen oder Gletscherschwankungen gab es schon immer. Wir haben dort gebaut, weil es praktisch, fruchtbar oder wirtschaftlich attraktiv war – nicht, weil es sicher war.

Viele der heutigen Probleme erscheinen mir deshalb auch als Siedlungs- und Erwartungsprobleme. Natur wird zur Katastrophe erklärt, weil wir Infrastruktur an Orte gesetzt haben, die sich zwangsläufig verändern.

Für mich lädt das Video nicht zu Panik und auch nicht zur Verharmlosung ein, sondern zu etwas anderem: Demut. Demut gegenüber der Komplexität des Klimasystems und gegenüber unseren begrenzten Möglichkeiten, die Zukunft exakt vorherzusagen.

Vielleicht ist genau das der Wert dieses alten Videos: Es erinnert daran, dass Nachdenken manchmal wichtiger ist als einfache Antworten, die Du gerne hättest?

@ BirneHelene
"Diese natürliche Dynamik gehört zur Geschichte unseres Planeten und darf aus meiner Sicht nicht ausgeblendet werden."

Das ist korrekt, jedoch kennen wir die Ursachen dafür auch fast 15 Jahre nach diesem Video immer noch nicht.


"Gleichzeitig heißt das für mich aber nicht, den menschlichen Einfluss zu leugnen. Beides kann gleichzeitig wahr sein:
Das Klima verändert sich von Natur aus und der Mensch wirkt heute zusätzlich beschleunigend auf diese Prozesse ein. Diese Spannung auszuhalten, ohne in Extreme zu verfallen, finde ich entscheidend."

Und genau das ist ja die Kernfrage. Wie stark ist also die Einwirkung des Menschen auf die Klimaveränderung und wie groß ist der Faktor Mensch bei der tatsächlich zu beobachtenden Temperaturveränderung.


"Was mir in dem Zusammenhang ebenfalls wichtig erscheint: Ein großer Fehler der Menschheit war es, sich ausgerechnet dort anzusiedeln, wo Natur besonders dynamisch ist ."

Das war kein "Fehler" wie du schreibst sondern auch ökonomischer Sicht der einzig richtige Schluss. Solange man sich über die jetzt gewonnen Tatsachen nicht im Klaren war überwogen die Anbindungen an Wasserwege die Nachteile bei weitem. Auch heute ist das noch so selbst mit all unseren industriellen Möglichkeiten. Wir sind als Menschen ein stückweit abhängig vom Wasser.


"Vielleicht ist genau das der Wert dieses alten Videos: Es erinnert daran, dass Nachdenken manchmal wichtiger ist als einfache Antworten, die Du gerne hättest?"

Ich finde es erst einmal sehr nett, dass du dir so viel Zeit genommen hast das Video zu untersuchen und zu antworten. Zugleich finde ich es schade, dass der User, der es gepostet hat im Gegenzug, selbst auf Nachfrage, nicht in der Lage war seine eigene Meinung dazu preis zu geben. So schön wie das Video auch ist klärt es die Kernfrage in diesem Posting aber immer noch nicht auf. Unsere Wissenschaftler versuchen eben genau das heraus zu finden und wollen vermeiden, dass der Mensch eine Beschleunigung dieser Klimaveränderung herbeiführt, die dann nicht mehr zu stoppen ist. Der Erde mag das relativ egal sein, aber für uns als Spezies hätte das trotz all der Technik wahrscheinlich fatale Folgen. Ein Faktor, der zum Beispiel meist nicht betrachtet wird ist, dass die Verschiebung von habitablen Zonen der Erde auch mit großen Flüchtlichgsströmen oder auch kriegerischen Auseinandersetzungen einhergehen kann. Große Länder müssten "Ersatzflächen" für ihre Bevölkerung schaffen und meine ganz persönliche Meinung ist, dass ich das um jeden Preis verhindern wollen würde. Daher wäre ich auch bereit mich für die Theorie, dass wir Menschen den Klimawandel zu sehr beschleunigen etwas einzuschränken. 😊 Ganz davon abgesehen, dass ich einen maßvollen Umgang mit Ressourcen als eine grundlegende Lebenseinstellung von mir betrachte.

Äußerungen des IPCC sollte man aus meiner Sicht grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis und Einordnung betrachten – nicht, weil Klimawandel „erfunden“ wäre, sondern weil auch solche Gremien nicht im luftleeren Raum agieren.

Wie nahezu jede Kommission unterliegt auch das IPCC einem gewissen Selbsterhaltungstrieb. Es führt selbst keine eigenen Studien durch, sondern sammelt, bewertet und gewichtet bereits bestehende Forschung. Dabei fließen zwangsläufig sehr unterschiedliche Studien ein – darunter auch solche, die von Wirtschaftsverbänden, Interessengruppen oder staatlichen Akteuren finanziert wurden. Das bedeutet nicht automatisch Manipulation, aber es macht deutlich, dass Interessenlagen eine Rolle spielen können.

Manche Studien neigen zum Greenwashing, andere setzen bewusst wirtschaftliche oder politische Schwerpunkte. Die Kunst liegt also weniger darin, dem IPCC blind zu folgen oder es pauschal abzulehnen, sondern darin, die Ergebnisse kritisch zu lesen und die dahinterliegenden Annahmen zu hinterfragen.

Ein weiterer Punkt, der selten thematisiert wird: Die großen Klimakonferenzen selbst verursachen erhebliche, durchaus vermeidbare Emissionen – durch internationale Reisen, Infrastruktur und Logistik. Das ist kein Gegenargument zur Klimaforschung, aber ein berechtigter Hinweis auf Widersprüche zwischen Anspruch und Praxis.

Unstrittig bleibt für mich: Der Mensch hat Einfluss auf das Klima. Dieser Einfluss zeigt sich nicht nur global, sondern auch sehr konkret und regional. Ein Beispiel ist die zunehmende Bevölkerungsdichte in Ballungsräumen, etwa durch Zuwanderung. Mehr Menschen bedeuten dort mehr Konsum, mehr Energieverbrauch, mehr Verkehr – und damit auch messbar höhere Wärmeemissionen, Stichwort urbane Wärmeinseln.

Klimawandel ist daher kein eindimensionales Thema. Er ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus natürlichen Prozessen, menschlichem Handeln, wirtschaftlichen Interessen und politischen Entscheidungen. Genau deshalb halte ich es für wichtig, weder in Alarmismus noch in Verharmlosung zu verfallen, sondern differenziert und kritisch zu bleiben.

Ich versuche das Thema Klimaschutz inzwischen etwas entspannter zu sehen – vermutlich alters- und nervenschonend. Denn zwischen „Wir retten jetzt sofort die Welt“ und „Mir doch alles egal“ liegt bekanntlich der ganz normale Alltag.

Was man als Einzelne tun kann, ist überschaubar, aber nicht wirkungslos: weniger fliegen, nicht für jeden Kleinkram das Auto starten, Dinge länger nutzen, nicht jeden Trend mitmachen. Heimische & regionale Lebensmittel. Klingt unspektakulär, hilft aber mehr als jedes gute Gefühl nach dem Mülltrennen.

Beim Wohnen gilt für mich: Dämmung ja – aber bitte mit Augenmaß. Dach oder Kellerdecke dämmen, wenn es sinnvoll ist, alte Fenster tauschen, wenn sie wirklich durch sind. Aber ein funktionierendes Haus in eine Großbaustelle zu verwandeln, nur weil es gerade politisch gut klingt, überzeugt mich nicht. Die graue Energie baut sich schließlich auch nicht von selbst ab.

Bewährt hat sich eine moderate Grundtemperatur im ganzen Haus und gezieltes Heizen dort, wo man sich wirklich aufhält.

Unterm Strich mache ich das, was realistisch ist – ohne Selbstkasteiung und ohne Klimaheiligenschein. Perfekt wird es nicht, aber besser geht fast immer ein bisschen.

Was macht ihr ganz konkret im Alltag für bessere klimatische Verhältnisse?
Nicht theoretisch, nicht politisch – sondern ganz praktisch?

@BirneHelene

Das hört sich soweit alles ganz gut an, aber wie verhält man sich denn "aktiv" kritisch?
Die Frage ist ja letztlich ob man handeln soll/muss oder alles so weiterlaufen lässt wie bisher. Natürlich kann und sollte man Studien und Berichte kritisch hinterfragen, aber letztlich geht es ja darum welche Handlungen man daraus ableitet, oder?

Kurvenfan,
für mich heißt „aktiv kritisch“ nicht alles laufen zu lassen oder sofort in Aktionismus zu verfallen, sondern mitzudenken, nachzufragen und abzuwägen. Argumente prüfen statt Personen, Gefühl von Fakten trennen – und Entscheidungen flexibel halten, wenn neue Erkenntnisse dazukommen.

Was mir dabei oft fehlt, ist der Bezug zu den persönlichen Möglichkeiten. Stattdessen wird schnell nach Verboten und Pflichten gerufen – Dämmung, Verbrenner, Wärmepumpen. Die Frage, die mich mehr interessiert, ist: Was tun wir selbst konkret? Viele kleine Schritte im Alltag wären oft leichter umzusetzen als große Zwangsmaßnahmen.

Vielleicht wäre genau das ein guter Ansatz – und sogar ein eigener Thread wert: weniger „was müssen andere“, mehr „was mache ich selbst“. - Wie denkst Du darüber?

@BirneHelene
"Die Frage, die mich mehr interessiert, ist: Was tun wir selbst konkret? Viele kleine Schritte im Alltag wären oft leichter umzusetzen als große Zwangsmaßnahmen."

Den Ansatz finde ich gut und es wäre wirklich wünschenswert, wenn alle Menschen so wären. Doch leider sind vielen die persönlichen Ziele und vor allen Dingen auch kosten wichtiger als die Umwelt. Ich glaube wenn man keinen gesetzlichen Rahmen schafft für solche Dinge, dann wird sich einfach zu wenig bewegen. Ich selbst empfinde jedoch manche gesetzliche Regelungen auch als nicht zu Ende gedacht. Das betrifft z.B. auch das tolle Heizungsgesetz. Solange es überhaupt gar keine sinnvollen Alternativen gibt halte ich es ebenfalls für falsch Gesetze zu erlassen, die sämtliche Risiken und Kosten bei den Bürgern abladen ohne dabei besonders effektiv zu sein.

Ich finde z.B. gerade beim Thema Auto hätte man viel früher konkrete Ziele festlegen müssen. Da ich aus der Branche komme und weiß, dass kein Hersteller mehr tut als er unbedingt muss wird es an der Stelle ohne Druck nicht gehen. Jedoch sind auch hier die gesetzlichen Rahmenbedingungen viel zu unklar. Das was die aktuelle Regierung macht mit ihren "hocheffizienten Verbrennern" lästern wieder so viel Spielraum, dass die ganze Aktion damit lächerlich wirkt. Für mich wäre z.B. eine klare Ansage für hybridmotore mit einer gewissen Grundreichweite ok. Außerdem würde ich hier nur Plug-in-Hybride zulassen und ähnlich wie bei AdBlue den Motor Start verweigern wenn nicht ein gewisser Ladeanteil enthalten ist. Technisch ließe sich das alles mit vorhandenen Mitteln sehr schnell umsetzen. Man müsste es nur beschließen.

https://www.focus.de/earth/fast-kein-co-mehr-neuer-china-trick-macht-kohleverarbeitung-ueberraschend-sauber_7b75c541-5409-49fd-916e-ecb6c7c15b0f.html

Der Artikel beschreibt zwar richtig, was die Chinesen erfunden haben. Aber die Überschrift zeigt mal wieder deutlich, wie weit wir uns im Irrtum befinden.
Denn es ist keine Erfindung, keine Optimierung des Verfahrens oder dergleichen - es ist nur ein Trick. Billiger noch dazu - denn kostet fast nichts.

Früher hätten wir in Deutschland oder mindestens in Europa diesen "Trick" erfunden. Aber wir forschen nicht mehr daran, befürchte ich. Denn Kohle soll ja sowieso verboten werden - also was soll man da noch Gedanken machen.

Aber natürlich geht es ohne Druck besser. Schau nach China. In China sind Elektrofahrzeuge im Durschnitt sogar günstiger, als Verbrenner. Dazu kommen die Kosten für den Strom. Man bekommt eine volle Ladung für 400 km für 3-5 Euro. Bei unseren Preisen von mindestens 40 Cent für 1 KW an den Ladesäulen kommt man für den Preis nicht mal 100 km weit.

https://www.focus.de/auto/news/spass-am-stromern-billig-strom-statt-verbotswahn-china-hat-die-bessere-elektroauto-psychologie_id_260258410.html