Arbeitsmarktsituation

in „Politik und Weltgeschehen“

Zu diesem Thema gibt es 384 Antworten

„Delmenhorst“ (Pseudonym)

Nun ja. Aber auch da muß man differenzieren. Ich wollte als Lehrerin arbeiten. Immerhin habe ich Mathe auf Lehramt mit Abschluß studiert. Aber Pustekuchen! Ich falle genau in die Lücke. So nehmen sie lieber Menschen ohne pädagogische Ausbildung und lassen sie Mathe unterrichten als die Fachmenschen. Ja, wirklich. Es ist kaum zu glauben, doch ich habe es in 2 Bundesländern probiert. Selbst der Beauftragte in Schleswig-Holstein erklärte mir, daß er es auch für merkwürdig hält. Doch ich habe keine Chance!

„Wedemark“ (Pseudonym)

Sehr geehrter Knusperc,

klar gibt es die auch , die sagen unter 4000 euro läuft nix

Aber wenn Lehrer, wie in einem von Kollegen produzierten WDR - Bericht im Mathematikunterricht - Hartz IV - aufgaben lösen lassen und der Lehrer dann auch medial erklärt das über 80 Prozent in seiner Klasse nach zig Bewerbungen im Ruhrgebiet keine Lehrstelle gefunden hat und ihnen nur eine Hartz IV - Karriere sicher ist, dann kann man das nicht nur mit Meldeversäumnissen und Arbeitsverweigerung wegdebattieren.

Diese Problematik wird ja auch vom deutschen Institut für Wirtschaft gesehen, nur eben auch anders interpretiert

„Bottrop“ (Pseudonym)

Dann solltest Du Deiner journalistischen Sorgfaltspflicht genüge tun und nicht verschweigen, dass das Gros der ARGEn damals über Nacht aus dem Nichts gegründet und besetzt wurde mit:

- Postbeamten
- Bahnbeamten
- Telekombeamten, die sämtlich "über" waren im Zuge der Verstaatlichung und irgendwo unterkommen mussten sowie mit einigen Beamten und Angestellten aus Kommunalbehörden.

Keiner davon wurde aber irgendwie ausgebildet oder auch nur ausreichend geschult im SGB I, II, IV und X. Da sitzen Leute, die Briefmarken oder Fahrkarten gestempelt haben vorher und die jetzt Anhörungen, Bescheide und Widerspruchsbescheide machen sollen. Da werden einem Mitarbeiter mehrere hundert (!) "Klienten" aufs Auge gedrückt.

Klienten, die zu einem hohen Prozentsatz Alkoholiker, Drogensüchtige, Menschen aus Randgruppen, Kriminelle, bildungsfernen Schichten, mit Migrationshintergrund usw. sind, die teils absolut frustriert, aggressiv, wahlweise resigniert haben.

Selbst wenn nur 10% der AlGII-Empfänger unter diese Gruppen fallen (also 90% der Empfänger intelligent, gebildet, höflich, freundlich, motiviert und der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind - was ich für sehr großzügig geschätzt halte), dann hat jeder ARGE/Jobcenter-Mitarbeiter am Tag fünf solcher widerlichen Brötchen vor sich sitzen, die ihm das Zimmerchen vollstinken, ihn anranzen und beschipfen und eh keinen Bock haben. Das hält doch kein Mensch lange aus.

Klienten also, mit denen ich höchstens gegen ein angemessenes Schmerzensgeld zusammenarbeiten wollen würde, wenn überhaupt.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Ist Lohn etwas anders als Schmerzensgeld? ;)

Genau dafür werden die Berater doch bezahlt und genießen dafür die Vorteile eines recht krisensicheren Jobs in den ARGen. ;)

„Bottrop“ (Pseudonym)

Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch dafür bezahlt wird, beschimpft und bedroht zu werden.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Polizisten, Security, Psychologen, Gefängniswärter? Da gehört das zum Jobrisiko.

„Bottrop“ (Pseudonym)

Das klingt als wäre es okay, diese Menschen zu beschimpfen und zu bedrohen?

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Nein, aber es gehört zum Job dazu. In Utopia wäre das wohl anders, aber in meiner Wahrnehmung der Welt spielt Realismus schon eine entscheidende Rolle. ;)

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Ja, speziell im Mittelalter war man extrem höflich zueinander und hat sich nur ganz selten gegenseitig umgebracht. *duck und weg*

Nein, es ist nicht in Ordnung, aber es ist Teil des Jobs, wenn man mit einer solchen Klientel umgeht. Das wird z.B. Mitarbeitern in Obdachlosenheimen nicht anders gehen.

„Bottrop“ (Pseudonym)

Falsch, wer besoffen ist, unter Drogen steht, pöbelt, aggressiv ist oder ansteckende Krankheiten verbreiten würde, wird da rausgeschmissen bzw. nicht reingelassen.

Der ARGE/Jobcenter-Mitarbeiter hat diesen Luxus nicht. Der wird ja schließlich dafür bezahlt und muss all den Frust und die Wut über sich ergehen lassen, die Leute haben auf die Welt, die Regierung, die letzte Regierung, die Politik, die Gesellschaft, die da Oben, die Reichen ...

„Heilbronn“ (Pseudonym)

@KC Was willste jetzt damit sagen? Das man seinen Job nicht gut machen muß, wenn man 10% der Klientel unsympathisch findet?

„Bottrop“ (Pseudonym)

Dass man auch nur ein Mensch ist, wenn man da arbeitet.

Dass man an die kleinen Lichter, die kaum Geld dafür bekommen (jedenfalls unangemessen wenig), die sich das auch nicht ausgesucht haben, die von ihrem Dienstherrn weder ordentlich ausgebildet noch angeleitet werden, und von denen viel zu viel erwartet wird bezüglich minderausstattung und maximalauslastung, keine überzogenen Forderungen stellen darf.

Dass "seinen Job gut machen" wohl kaum heißt, sich anpupen und bedrohen lassen zu müssen.

Dass die Gewaltenteilung im Staate herrscht und der arme Wurm, für den man heute Klient Nummer 38 ist, weder für die Gesetze verantwortlich ist, noch für das knappe Staatssäckel, noch dafür dass der Klient arbeitslos ist, ggf. nichtmal nen Schulabschluss hat usw.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Ich ja bereits von meinen persönlichen Erfahrungen berichtet und zu dem betreffenden Zeitpunkt war ich eine 22jährige, ziemlich harmlos wirkende, engagierte junge Frau mit hervorragenden Zeugnissen. Die Inkompetenz, die da an den Tag gelegt wurde, hatte sicherlich nicht etwas mit unhöflichem Betragen meinerseits zu tun und ja, verdammt nochmal, ich erwarte, das jemand, der einen serviceorientierten Job wahrnimmt, nicht den Frust wegen eines Klienten auf den nächsten überträgt.

Mein Mitleid hält sich also in Grenzen. Wenn ihnen der Job nicht gefällt, sollten sie ihn wechseln. Sie sitzen ja quasi an der Quelle.

„Dortmund“ (Pseudonym)

Ich habe meine Ausbildung bei eben diesem relativ unbeliebten Arbeitgeber gemacht und ich habe es mir ausgesucht und ich mache es gerne. Ich kann mir nicht vorwerfen das ich fachlich nicht kompetent oder aber gar sozial nicht kompetent genug wäre.
Wenn ich zu einer anderen Behörde gehe, pöbel ich auch nicht rum nur weil mir was nicht in den Kram passt und denk mir "Die werden ja dafür bezahlt". Sollte alles seine Grenzen haben!!!
Aber wenn man mit so einer Einstellung dahin geht.. mich wundert nichts mehr ^^

Wegen einer unglücklichen Erfahrung alle in einen Topf packen.. dann noch ne Runde Helena Fürst dazu.. und eine Prise von kuriosen Statistiken..Tolles Paket zusammengeschnürt...:D

Ich würde nie behaupten das da immer alles toll ist und super läuft, aber ich find es krass was da manche für eine Einstellung haben.

„Wedemark“ (Pseudonym)

Sehr geehrte KnsuperCrunchy,

da ich es mit meiner journalistischer Sorgfaltspflicht sehr genau nehmen und auch diffrenziere, verware ich mich dagegen die Mehrzahl der Arbeitslosen diffamiert wird, das sie ausbildungsfernen schichten kommen oder Alkoholiker sein.

Hierbei gibt es ein geographisches Gefälle, was du leider in deiner Behauptung nicht berücksichtigt hast. Deine Aussagen sind mir zu pauschal.

Im Osten der Republik ist der überwiegende teil der ALG II - Empfänger überdurchschnittlich gebildet, verfügt über einen Berufsabschluß, ist Uni - Absolvent und trotzdem arbeitslos. Die Zahl derer welche dem klassischen Hartz - IV - Klientel entspringen ist deutlich geringer, allerdings wächst deren Zahl langsam kontinuierlich an. Das liegt zum Teil daran das selbst Realschüler große Probleme haben Lehrstellen zu finden.

Im Norden und im Westen Deutschlands überwiegt der Anteil der Personen auf dem Arbeitsmarkt, welche ohne Berufsabschlüsse sind, aber auch hier ist der Akademikeranteil langsam steigend.

Am besten sieht es nur in Baden - Württemberg und Bayern aus.

Und die abgestellten Beamten haben dann auch die verdammte Pflicht die Gesetzestexte zu studieren und richtig anzuwenden. Dazu muss ich nicht erst RTL schauen um mit Helena Fürst Einzelfälle aufgezeigt zu bekommen, um zu wissen das oftmalig inkompentent, nichtwissend und willkürrlich gehandelt in dieser Behörde gehandelt wird.

Es tut mir leid, es sagen zu müssen, mir scheint du hast bisher noch keine "Kunden" ins Jobcenter begleitet , sonst würdest du bei deinen Beurteilungen hinsichliches des Empfängerkreises nicht solche Verallgemeinerungen von Dir geben.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Nein, das war nicht die Aussage, princess.

Aber das einen die Grundgegebenenheiten d.h. die Realität eines Jobs nervt, rechtfertigt nicht, das man ihn schlecht macht, denn jeder macht seinen Job freiwillig.

Nichts anderes habe ich gesagt.

Außerdem geht es eigentlich ja nicht um das persönliche Befinden der Jobvermittler, sondern darum, das Menschen wieder in Lohn und Brot kommen und das sich die gesamtwirtschaftliche Situation verbessert bzw. darum, einen möglichst hohen Beschäftigungsstand auch im Sinne einer positiven Entwicklung für Deutschland zu erreichen, oder?

Glaube, wegen sowas finanziere ich die Jobs im Jobcenter. *grübel*

„Bottrop“ (Pseudonym)

Sehr geehrter Pius12,

wenn 10% für Dich "die Mehrzahl" darstellen, müssen wir an dieser Stelle nicht weiter diskutieren.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Mal eine Frage am Rande: Wer ist Helena Fürst?

„Bottrop“ (Pseudonym)

Ich dachte erst es wäre eine Sektmarke wie Henkel trocken aber laut Google ist sie eine Mischung aus Peter Zwegat und der Supernanny.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

Peter Zwegat ist doch schon irgendwie die Supernanny der Kein-Geld-Haber. ;)

„Wedemark“ (Pseudonym)

Nachtrag

Sehr geehrte Princess,

wenn sie Du mit dieser schwierigen Klientel nicht umgehen kannst und nicht vermagst dich auf Menschen mit besonderen Lebenslagen einzustellen, dann mußt dir einen anderen Job suchen.

Ich habe auch mit Politikern unterschiedlichster Ebenen zu tun, welche nicht immer pflegeleicht oder alles andere als einfach sind. Manch Einen mag man auch nicht persönlich, aber da muss man eben professionell rangehen und einfach abgeklärt seinen Job machen und nicht herumjammern.

Millionen deutsche Arbeitnehmer tun das im übrigen auch nicht.


Früher hatten die Leute ihren eigenen persönlichen Ansprechpartner , was den Umgang auch mit einem schwierigen Personenkreis erleichtert hat, weil diese Mitarbeiter wirklich in der Materie standen und schnell entschieden haben.

„Wedemark“ (Pseudonym)

Sorry sehr geehrte Kruspy, aber deine Vergleiche entsprechen nicht den Tatsachen.

Frau Fürst war früher Sozialfahnderin und kennt beide Seiten ARGE und ALG II - Empfänger, mittlerweile kämpft sie in vielen Fällen, welche für das Fernsehen rekonstruiert wurden, für die Benachteiligten unserer Gesellschaft.

Mit dir kann man auch nicht debattieren, du glaubst selbst noch die spätrömische Dekadenz der FDP.

„Heilbronn“ (Pseudonym)

ohje...Robin Hood in echten Strumpfhosen ;)