Das Thema habe ich bewusst unter diese Rubrik gelegt, da meine Empfindung dahingehend einer natürlichen Selbstfürsorge gleich kommt.
Bei näherer Betrachtung, halte ich selbst nämlich eine gewisse Distanz gegenüber Mitmenschen die (gerade) übergriffig waren/ sind, eben für eine gesunde Denkweise. Einfach um bei mir zu bleiben.
Dem distanziert gesetzten Raum mit entsprechender Fülle anzureichern (weil der andere Mensch von der Person her nicht passt), oder eben mir selbst den nötigen Abstand zu geben für ein mehr an Selbstreflektion.
Wie sind eure Erfahrungen, Meinungen, Standpunkte zu dem Thema?
Wie haltet ihr es mit Grenzen setzen, sich (selbst) abgrenzen?
Ich finde den Grundgedanken sehr stimmig und Abstand kann absolut Selbstfürsorge sein, gerade bei übergriffigem Verhalten.
Meinst du mit Distanz eher ein bewusstes Beenden von Kontakt, oder eher ein inneres Abgrenzen bei weiter bestehendem Kontakt?
Für mich ist das ein wichtiger Unterschied.
Ich erlebe oft, dass Distanz schnell zu einem pauschalen Rückzug wird. Für mich ist Abgrenzung dann am wirksamsten, wenn ich klar benennen kann, was genau war die Grenzüberschreitung
und wie sieht mein konkretes Verhalten danach aus.
Also weniger ein diffuses „ich gehe auf Abstand“, sondern eher eine bewusste Entscheidung im Verhalten.
VelvetNoir,
im Prinzip liegt meine Unterscheidung in dem Versuch einen Unterschied zu machen, zwischen Menschen, die ich (meine zu) kenne(n) und Fremden.
Diese Distanz passiert bei (ehemaligen) Freundschaften eher unterbewusst bei mir. Ggf. hin bis zu einem 'point of no return', der da entstehen kann. Sofern ich nicht wirklich vorher von Ihnen gehört wurde.
Natürlich bin ich bei Menschen die mir am Herzen liegen, nachgiebiger, refkektiere meinen Anteil auch meist direkter und schneller.
Bei mir Fremden bin ich da weniger 'großzügig', weil der erste Eindruck ganz oft auch (ge)passt hat(te). Was ich heute allerdings anders mache, ich versuche zu verstehen, ein warum in ihrem Benehmen zu finden und womöglich zu zu hören. So kann ich für mich den Grund ihres Verhaltens eben besser benennen. Wenn es dennoch nicht passend sein sollte auf Dauer, bin ich dann aber auch ganz schnell wieder 'raus'.
@ VelvetNoir
Ich finde deinen Anspruch sehr gut und würde mir öfter wünschen, dass es nicht bloß Kurzschlusshandlungen sind sondern man auch konkret überlegt, was man denn eigentlich erreichen möchte.
@ Raumwunder
Für mich wäre die erste Frage immer, warum muss ich mich abgrenzen und wovor muss ich mich abgrenzen. Wenn digital jemand einen anderen Standpunkt vertritt oder eine andere Meinung äußert, als die die ich vielleicht für richtig erachte, dann ist das für mich ja noch kein übergriffiges Verhalten.
Ich kann diesen Passus nur ganz schwer greifen, denn ich bin wahrscheinlich jemand der genau das Gegenteil machen würde. Wenn mich jemand offen angreift oder belästigt, dann würde ich eher zurückschlagen als mich abkapseln. Ich würde diesem Gegenüber nämlich nicht den Raum geben und vor allen Dingen nicht die Meinungs- oder Deutungshoheit über bestimmte Themen die mir wichtig sind.
Anders sieht es vielleicht aus mit Menschen oder Meinungen, die mir eigentlich egal sind. Hier würde ich dann auch nicht von Abgrenzung sprechen, sondern ich schenke der entsprechenden Person oder dem Thema einfach keine Beachtung mehr. Nicht viel mehr und nicht viel weniger. Manchmal würde ich mir da auch ein deutlich pragmatischeren Umgang wünschen. Man muss eben nicht alles dramatisch auf stilisieren, es sei denn man möchte das so.
Wahrscheinlich gehöre ich zu den Menschen, die eher narzistisch veranlagt sind mit einem kleinen Helfersyndrom und habe daher kein Problem mit meinem Selbstwertgefühl. Mein innerer Selbstwert hängt nicht von der Meinung anderer Personen ab, insbesondere nicht von fremden Menschen. Ich bin geneigt mir Argumente von anderen anzuhören, aber habe ja keine Verpflichtung zwingend darauf einzugehen. Das gilt ja für meine Gesprächspartner genauso. Aus dieser Position heraus bin ich wahrscheinlich auch so resilient, dass für mich ein Abgrenzung gar nicht notwendig ist. Ich kläre Dinge oder Themen mit Menschen, die mich stören oder die mir nicht passen immer direkt und auch öffentlich, wenn sich über mich öffentlich geäußert wurde. Also bleibe ich immer im gleichen Format in dem auch die Diskussion geführt wird. Privat bleibt privat und öffentlich bleibt öffentlich. Deswegen würde ich z.B. auch nicht auf einen Kommentar reagieren der sagt, ich solle eine Diskussion via PN mit einem User klären, wenn der mich vorher in meinen Augen zu Unrecht öffentlich angeklagt hat. Dann erwarte ich auch meine Antwort öffentlich tätigen zu können.
Die große Frage bleibt also, was ist denn für mich übergriffiges Verhalten? Ich glaube für mich wären das nur inhaltslose Beleidigung, Veröffentlichung von privaten Daten oder vielleicht Belästigung. Wobei selbst beim Thema Belästigung hätte ich ein verdammt dickes Fell. Also selbst wenn mich jemand hier 20 mal anschreiben würde, würde ich einmal hörbar mit den Augen rollen und dann hätte sich die Sache für mich trotzdem erledigt. 😂 Vielleicht würde derjenige noch einen Spruch von mir kassieren und wäre dann selber ruhig.
Kurvenfan,
Menschen haben unterschiedliche Denkweisen und die unterschiedlichsten Ansprüche. Nicht zwingend immer an sich selbst, vieles liegt auch im Aussen.
Das kann man(n) schon allein daran erkennen, wenn hier mal eine Aussage getätigt wird und man(n) selbst von sich, gleich auf den anderen schließt.
Das Nicht-Beachten, ist gar nicht mal so harmlos, wie du es für dich siehst. Für mich bspw. ist es mit einer der höchsten Formen von Ablehnung. Man(n) räumt der Person keinen Platz ein, so als wäre sie nicht existent.
Grenzen zu setzen ist nie verkehrt. Denn ich glaube kaum eine/r möchte sich überrannt von jemanden fühlen.
Vor dem Wovor oder wie man(n) damit umgeht, wo diese liegen, darüber kann hier gern diskutiert werden.
Ich finde die Frage nach dem Wovor tatsächlich zentral, weil Grenzen für mich nichts Abstraktes sind, sondern immer eine Schutzfunktion haben.
Ich setze Grenzen vor allem in drei Richtungen:
– vor Respektlosigkeit z. B. wenn Dinge übergangen oder klein gemacht werden
– vor Unklarheit, die auf Dauer Energie zieht, ständiges Interpretieren müssen
– und vor Dynamiken, in denen ich mehr gebe als zurückkommt
Ignorieren empfinde ich übrigens auch als schwierig, aber für mich eher als Hinweis auf fehlende Passung oder Priorität, weniger als aktive Ablehnung.
Da ziehe ich dann eher Konsequenzen, statt es persönlich zu nehmen.
Für mich ist der entscheidende Punkt, Grenzen zeigen sich nicht im Gedanken, sondern im Verhalten danach und in der konsequenten Umsetzung. Für mich sind gesetzte Grenzen nicht verhandelbar.
@ Raumwunder
"Grenzen zu setzen ist nie verkehrt. Denn ich glaube kaum eine/r möchte sich überrannt von jemanden fühlen."
Ich glaube da ist schon der große Knackpunkt und natürlich sind die Wahrnehmung und auch die Bedürfnisse der Menschen schon verschieden. Trotzdem ist das mit der subjektiven Wahrnehmung schon so eine Sache. Sagen wir mal, wenn man da mit einer gewissen Sensibilität heraussticht, dann hat man es natürlich nicht leicht. Ob jedoch die subjektive Wahrnehmung an der Stelle immer objektiven Maßstäben entspricht wie in dem Zitat von dir oben, das ist eben die große Frage. Jeder "fühlt" das eben anders und es mag Menschen geben, die da sehr resilient und quasi unantastbar erscheinen und andere, die sehr sensibel und anfällig für solche Situationen sind.
Für mich stellt sich immer die große Frage, was unterscheidet die Psyche dieser beiden extremen Personengruppen so stark, dass sich das so unterschiedlich äußert in ein und der selben Situation. Also gleiche objektive Ausgangslage, aber 2 vollkommen unterschiedliche subjektive Bewertungen.
Ich finde aktives Ignorieren oder Ausblenden von Menschen gar nicht so schwierig.
Wenn mir die Person nicht wichtig ist und sie keinen Level an Störungen erzeugt, dass ich darauf reagieren müsste, dann übergehe ich eine Person oder ein Thema einfach.
Das kommt bei mir zugegeben selten vor, aber es gibt eben auch Themen, die mir vollkommen egal sind, wo man nicht mal mich in eine Diskussion locken könnte.
Kommunikation oder menschlicher Umgang sind ja keine Einbahnstraßen sondern unterliegen immer dem Sender und Empfänger Prinzip. Das wurde ja von anderen auch schon mal angesprochen. Der ignorierte Sender muss sich dann vielleicht auch fragen, was an seiner Nachricht oder vielleicht auch an der Art und Weise wie er dich Nachricht übertragen will nicht stimmt. Das Problem habe ich ja durchaus auch, habe aber gelernt, dass ich mich nicht an jede Animosität meines Gesprächspartners anpassen muss. Entweder man trifft sich irgendwo in der Mitte und hat auch den Anspruch auf Kompromissbereitschaft, aber einseitige Wahrnehmungen oder Forderungen werden von mir einfach nicht beachtet. Ich sehe da auch kein Problem drin, denn es hat ja niemand einen Anspruch darauf, dass ich ihn oder sie beachte. Wenn ich hier also zu einem Thema was schreibe mache ich das ja in 1. Linie für mich und das Thema und nicht weil ich möchte, dass Person x oder y das wirklich liest. Wenn sie es tun, freut es mich natürlich umso mehr, aber wenn nicht ist es auch ihre Entscheidung, an der ich rein gar nichts ändern kann.
@ VelvetNoir
Wieso seht ihr "ignorieren" als so problematisch an, wo es doch selbst hier auf Rubensfan recht inflationär genutzt wird? Ich habe noch nie in meinem Leben jemanden blockiert. Nicht im Handy, nicht hier, nicht auf Sozial Media, nirgendwo. Ich verstehe solche Leute gar nicht. Selbst Werbeanrufe am Telefon führe ich mit Ausdauer und solcher Energie, dass ich nie wieder angerufen werde. Da kann man sich jetzt fragen, ob das für oder gegen mich spricht, aber ich kann meinen Standpunkt ziemlich gut deutlich machen. 😂
Ich finde halt deine drei "Richtungen" sind auch sehr schwammig und da kann man halt wieder alles und nichts hinein interpretieren.
Gerade das "übergangen oder klein gemacht" ist was, wo wir bei 10 Leuten wahrscheinlich 15 Meinungen hätten, was das denn konkret heißt.
Aus persönlichem Interesse wäre es wirklich cool, wenn du dafür mal ein Beispiel nennen könntest?
Das mit den Unklarheiten gibt es im Grunde bei mir nicht, denn entweder frage ich nach oder Personen die nur rumeiern werden eben fallen gelassen. Die werden sich dann schon wieder melden oder die haben eben kein Interesse. Das hat für mich auch nichts mit Abgrenzen zu tun, aber ich stelle eben nach ein paar Versuchen meine Energielieferungen einfach ein und wenn der andere sich wieder meldet, dann bin ich durchaus bereit da auch wieder anzuknüpfen. Mir ist es viel wichtiger ohne Groll zu einer Person auszukommen und wenn man manchmal alles gesagt hat oder einfach kein Kontakt mehr besteht ist das ja kein böser Wille sondern ist halt einfach so.
Den letzten Punkt könnte ich so verstehen, dass Menschen Dinge oder Unterstützung von mir fordern, aber wenig bis gar nichts zurückgeben. Wie schon geschrieben habe ich ein kleines Helfersyndrom und wenn mich jemand nett bittet bin ich sehr gerne bereit einer Person einen großen Vorschuss an Energie zu geben, denn davon habe ich scheinbar mehr als die Meisten. Jedoch ist auch dieser Vorschuss endlich und diese Grenze sollte man auch haben und vielleicht auch klar kommunizieren, dann kann das Gegenüber überlegen, ob diese Grenze ausgereizt und gerissen wird oder nicht.
Auch hier stelle ich dann einfach den Kontakt ein und dann ist das Gegenüber am Zug das Konto wieder aufzufüllen. Wenn man so lebt, denkt und arbeitet kommt man eigentlich nie in die Situation sich aktiv von jemandem abgrenzen zu müssen.
Mein Zitat: ..."Grenzen zu setzen ist nie verkehrt. Denn ich glaube kaum eine/r möchte sich überrannt von jemanden fühlen."
Glauben & Fühlen passen da sehr gut in diesem Kontext. Denn die Subjektivität muss nicht immer schlichtweg falsch liegen.
Die Unterschiede entstehen erst deutlich bei deren Umsetzung.
Ich z.B. muss nicht 'alles' tot diskutieren, weil ich nicht jeden Tag in gleicher Verfassung, womöglich im Zeiplan hänge oder weil mich was anderes gerade mehr interessiert.
Hingegen dir, Kurvenfan scheint (sofern ich das richtig verstanden habe), das aber je nachdem extrem wichtig zu sein? Da wäre dann meine Frage: Warum ist das so? Du könntest doch auch einfach einen 'cut' machen?
Gerne ein konkretes Beispiel.
Wenn ich in einem Gespräch etwas anspreche, was mir wichtig ist, und mein Gegenüber das wiederholt übergeht oder ins Lächerliche zieht, ist das für mich eine Form von „klein machen“.
Wenn Absprachen bestehen und diese einseitig ignoriert werden, ohne es zu benennen, dann ist das für mich „übergangen werden“.
Das sind für mich keine Interpretationsfragen, sondern wiederkehrende Muster im Verhalten.
Mir ist bewusst, dass solche Wahrnehmungen individuell sind. Entscheidend ist für mich , dass es für mich stimmig ist und ich danach handle.
Ich beschreibe hier meine Perspektive und meine Kriterien, keine allgemeingültige Definition. Dinge, die ich nicht geschrieben habe, würde ich auch ungern in meinen Beitrag hineininterpretiert sehen.
Für mich ist übrigens genau "Energie entziehen oder Kontakt einstellen " eine Form von Abgrenzung.
@ Raumwunder
Ich habe in meinem Beitrag doch geschrieben, dass ich genau das mache.
Themen die mich interessieren oder die eine aus meiner Sicht falsche Sichtweise darstellen kommentiere ich natürlich auch. Themen, die mich nicht interessieren beachte ich hingegen nicht. Genauso habe ich es doch schon immer gehandhabt.
@Kurvenfan,
...Genauso habe ich es doch schon immer gehandhabt.
Scheinbar nun nicht gänzlich, denn...:
...Selbst Werbeanrufe am Telefon führe ich mit Ausdauer und solcher Energie, dass ich nie wieder angerufen werde. Da kann man sich jetzt fragen, ob das für oder gegen mich spricht, aber ich kann meinen Standpunkt ziemlich gut deutlich machen. 😂
Wenn ich mich zusätzl. auf dieses zweite Zitat von dir beziehen darf, dann funktioniert das mit dem 'immer' aber nicht so wirklich!? 😉
@ Raumwunder
Wieso denn nicht? Wer sagt denn, dass die mich nicht interessieren würden? 😉
Ich würde die Anrufe ja nicht führen, wenn Sie mich nicht interessieren.
Da unterliegst du nämlich leider einem Trugschluss. Jedes Gespräch was so eine Person mit mir führt, können sie keine andere Person belästigen und ich nehme das wenn ich Zeit habe sehr gern in Kauf um diesen Call-Center Mitarbeitern zu verdeutlichen, was sie in meinen Augen für schlechte Menschen sind. Dazu muss gesagt werden, dass die meisten dieser Anrufe nicht seriös sind und daher es mich auch nicht interessiert den Mitarbeitern, die sich für so etwas hergeben dieses Gefühl zu vermitteln. 🤭
Scheinbar bin ich da auf einer schwarzen Liste, denn das beste was man machen kann ist denen Zeit zu stehlen. Und im Auto oder beim Aufräumen in der Wohnung hab ich früher immer gern mit denen gequatscht. 😂
@ VelvetNoir
"Wenn ich in einem Gespräch etwas anspreche, was mir wichtig ist, und mein Gegenüber das wiederholt übergeht oder ins Lächerliche zieht, ist das für mich eine Form von „klein machen“."
Naja, da sind wir in meiner Welt einfach bei einer klassischen Meinungsverschiedenheit. Man kann nicht immer gleicher Einstellung oder Wahrnehmung sein. Das haben wir ja schon festgestellt. Etwas aktiv ins Lächerliche ziehen ist dann etwas anderes als Dinge vielleicht einfach anders zu handhaben. Wenn das Menschen sind mit denen man sich enger umgeben möchte, passen sie vielleicht einfach nicht zu einem. 🤷♂️
Siehst du selbst bei der Begrifflichkeit "Abgrenzen" gibt es eine sehr unterschiedliche Definition. Für mich ist eine Abgrenzung eine aktive Handlung und eben nicht das "unterlassen" einer. 😊 Und das ist dann der Grund wieso sich Menschen nicht verstehen, weil unsere Sprache zwar im Grunde in der Lage ist fast alles und jeden konkret zu beschreiben, das aber nichts nützt, wenn man sich nicht über die Bedeutung der Worte einig ist. 😅
Ich glaube Menschen sind sehr sehr unterschiedlich, was ihre Werte angeht, ihre Erfahrungen, was ihnen gut tut, was sie sich wünschen etc. und man kann sich gar nicht mit allen einig sein.
Wie Velvet sagt, wenn Menschen wiederholt das übergehen, was man selbst sagt, führt das dazu, dass man schnell keine Lust mehr auf sie hat. Es geht ja oft nicht um das Annehmen einer anderen Meinung, sondern auch um Akzeptanz und die ist beim Übergehen nicht gegeben. Wenn derjenige dann zum 47. mal denselben Sermon herunterbetet und nix gelernt hat, ja, dann darf er gerne weiter in selbigem baden, aber bitteschön allein.
Ich hab im Laufe meines Lebens gelernt, dass ich Menschen nicht ändern kann und das sich nur wenige ändern wollen. Deshalb kriegen die meisten 1,2, viellicht auch 3 Chancen und dann muss man einfach aus bisherigen Erfahrungen lernen. Genauso muss ich akzeptieren, wenn andere sich einen anderne Umgang wünschen, als ich ihn normalerweise biete. Ich habe z.B. vor einer Weile unter 4 Augen einer guten Freundin gesagt, dass ich glaube, dass sie gerade einen wichtigen Fehler macht. Nicht in der Erwartung, dass sie jetzt sofort alles ändert, aber einfach als Feedback. Ich hab als klares Feedback bekommen, das für sie zu einer Freundschaft gehört, sie bedingungslos zu unterstützen und mich nicht in ihre Dinge einzumischen. Sie hat mich daraufhin aus ihrem Leben relativ hart gestrichen. Wir konnten nicht miteinander reden und gehen seitdem getrennte Wege. War das menschlich ein Verlust, gerade wenn man ansonsten vielleicht ganz gut klar kam: Klar, aber sowas nennt man im amerikanischen Scheidungsrecht dann wohl "unüberbrückbare Differenzen". Es gibt etwas, das uns beiden wichtig ist, bei dem wir uns nicht einig werden. Das kann in Beziehungen oder Partnerschaften sonstwas sein, wo die Differenzen liegen: Der Umgang mit einander, die Streitkultur, die Werte, der Sex oder sonstwas. Es hilft einfach zu akzeptieren, dass das was für einen selbst unwichtig erscheint, einer anderen Person grenzenlos wichtig sein kann und dass sie deshalb nicht zwingend "spinnt". Naja, im Zweifelsfall nur anders als man selbst. Wenn einem selbst etwas fehlt, darf man sich abgrenzen und das Gegenüber darf das auch. Ich versuch mich da bei anderen in grenzenloser Akzeptanz zu üben: Es ist wie es ist. Das Gegenüber ist, wie es ist. (Und ja, das ist manchmal EXTREM hart. Das entspricht NICHT meiner natürlichen Persönlichkeit, ABER) Ich kann nur mich beeinflussen und das was ich vom Leben möchte. Ich darf das Bedürfnis haben, nur Zeit in zwischenmenschliche Beziehungen zu investieren, in denen mehr als Smalltalk möglich ist. Aber wenn ich diesen Wunsch "durchsetze", muss ich damit leben, dass ich Menschen in meinem Leben verlieren könnte.
Im Prinzip ist Glück im Leben, Menschen zu finden, die vielleicht zu 80% auf dieselbe Art und Weise spinnen wie man selbst, bei denen einen die verbleibenden 20% nicht stören und bei denen man sich nicht (ständig) abgrenzen muss.
In dem Sinne: Guten Morgen, liebe Mit-Spinner!
@ Selfcare
Sehr schön geschrieben und ich sehe es zu 100% genauso. 👍
Etwas zu unterlassen ist aber auch eine aktive Handlung @Kurvenfan ;o)
@ stierfrau
Das ist halt die alte Diskussion, ob nicht zu handeln eine aktive Handlung ist. 🤷🏻♂️
Denn das ist gerade die Beschreibung von Passivität und nicht von Aktivität. Aber ich kann mich auch irren. 😂 Was weiß der Duden schon.
Man ist quasi aktiv passiv. 🤣
Und ab da steige ich aus, denn ich bin zu wenig Philosoph als dass ich mir daraus noch etwas machen würde.